Wenn die Vergangenheit nicht loslässt

Schon vor mehreren Wochen habe ich ein Buch zur Seite gelegt („Diese Dinge geschehen nicht einfach so“, Taiye Selasi), das ich hauptsächlich gekauft hatte, weil es darin um Heimat gehen sollte, zumindest laut ein(ig)er Rezension/en in den größeren Zeitungen, die ich lese. Ich neige dazu, denen zu vertrauen, auch wenn ich das manchmal im Nachhinein eher bereue. Gerade bei Buchempfehlungen habe ich letzthin doch oft den Eindruck, dass sie mehr von den (wirtschaftlichen) Interessen der Verlage bestimmt werden, als vom tatsächlichen Empfinden der ReszensentInnen. (mehr …)

Umdenk-Pause (eins)

Auf ARTE  sah ich neulich diesen kleinen Film hier:

http://www.arte.tv/guide/de/051091-011/x-enius?autoplay=1

Er berichtet über die so genannte „geplante Obsoleszenz“, ein Thema, das seit Kurzem auf der Agenda einiger Zeitungen und Zeitschriften und über sie ein bisschen in die tiefere Gesellschaft vorgedrungen ist. Ich persönlich halte es ja für durchaus glaubwürdig, dass die großen Unternehmen, die, die die Welt beherrschen, es darauf anlegen, dass ihre Produkte frühzeitig unbrauchbar werden. Wie sonst sollten sie auch die Umsätze zu generieren imstande sein, die sie zweifelsohne benötigen, um ihre enormen Strukturen am Leben zu erhalten? Irgendwie müssen die Laufbänder des Konsums ja angetrieben werden, und nur mit Werbung allein ist das wohl nicht (mehr) zu schaffen. (mehr …)

Ich schäme mich (j’accuse).

Ich habe mich mal wieder heftig geschämt, gestern, bei den Abend-Nachrichten, als der Herr Stocker (war er es? ich kenne diese Leute nicht so gut) erzählte, wie das Krankenhaus (!) der richtige Ort sei, um Einwanderer, jene ohne Papiere und also ohne „Status“, zur Anzeige zu bringen.

Es ist unerträglich. Dass sich „Politiker“ wie der „Herr“ Pius Leitner (ja, die Anführungszeichen um den Herrn sind bewusst gesetzt, denn ein Herr ist ein Herr, und Pius Leitner ist keiner) und sein Gefolge sich nicht schämen, als Christen, als die sie sich so gern unter die Leute und das Wahlvolk bringen, laut und öffentlich anzuklagen, dass die Kosten für eine sanitäre Erst- und Grundversorgung jener armen Teufel, die aus ihren Heimatländern flüchten (müssen), 100.000 Euro pro Jahr übersteigen. Ich muss aber auch sagen, dass es mich überrascht, zu sehen, welche Aufmerksamkeit diesen und ähnlichen Un-Sagern dieser und ähnlicher Un-Politiker gewidmet wird, von den „großen“ heimatlichen Medien, und wie die keineswegs versuchen, die falschen Töne solcher Statements herauszustreichen. Aber so geht’s wohl, das Stimmung Meinung machen. (mehr …)

Eine Szene. Und Schnitt.

Eine Szene in dem ARTE-Film „Endstation Sonderflug“, den ich hier herein verlinkt habe, hat mir eine Episode aus meinen jüngeren Jahren in Erinnerung gerufen, und ihr eine neue Bedeutung gegeben, aber vielleicht habe ich ihre Bedeutung ja auch erst jetzt vollumfänglich, wie das so schön heißt, erfasst. Es ist lange her, ich muss Anfang 20 gewesen sein und hatte – über eine Anzeige im Tagblatt der Südtiroler, ja wirklich – auf einem Schiff angeheuert, als Receptionistin. Wir hier, wir Südtiroler, hatten ja damals in internationalen und vor allem touristischen Belangen einen gewissen Bonus und Marktvorteil, anderen,  nichtsüdtirolerischen Bewerberinnen gegenüber. Ich glaube aber, dieser Bonus hat in diesen letzten Jahren und Jahrzehnten ein bisschen an Bedeutung verloren, aber vielleicht haben ja auch nur die Mitbewerber aufgerüstet. (mehr …)

Was wir Demokratie nennen

Eigentlich fehlen mir die Worte. Der Film sei bewegend, habe ich gelesen, und ja, er IST bewegend. Aber in Wahrheit ist er verstörend, ich empfinde ihn als zutiefst verstörend, den Film als Ganzes, nicht einzelne Szenen, von denen einige mir Tränen in die Augen gedrückt und andere mein Herz festgehalten haben, im Schrecken, und die eine Frage, die sich angeschlichen und mich nicht mehr losgelassen hat: Warum schämen wir uns eigentlich nicht?

Warum schämen wir uns nicht, als Gesellschaft, als Ganzes? (mehr …)

Die Nationalistin in mir

Ich schäme mich ja immer vor mir selbst – und der Welt, selbstverständlich -, wenn sie (in letzter Zeit auffallend öfter) ihren kleinen Kopf mit der engen Stirn und den kleinlichen Gedanken dahinter in die Höhe reckt, die Nationalistin in mir. Denn eigentlich wäre ich ja gern offen und aufgeschlossen, tolerant und neugierig, gastfreundlich sowieso, und jedenfalls kein bisschen nationalistisch, oder gar rassistisch, oder patriotisch, und was noch so alles dazu gehört. Wirklich hässlich, all das Zeug, ich mag’s überhaupt nicht, ganz ehrlich. (mehr …)

Der Lohn der Politiker

Also, die Sache mit der Entlohnung der Politiker ist ja recht komplex, ich für mein Teil kann sie schon gar nicht mehr hören, diese Debatte samt Gefolgschaft. Heute aber ist in der Südtiroler TAZ (dass mir die ja nicht verwechselt werde – hätte eigentlich gern „verwexelt“ geschrieben, hätte ich das gedurft? – mit der anderen, der richtigen „taz“) ein Artikel erschienen, der davon berichtet, wie viel die Politiker im vergleichbaren, also deutschsprachigen, Ausland verdienen. In den Kommentaren wurde dann, wie üblich, alles gerade gebogen. (mehr …)

Also bitte! Diese #Aufschreie(r)!

Was soll ich zu diesem #Aufschreier sagen? Keine Ahnung, aber spontan würde meinen Gehirnwindungen gern ein „dumme Gans die Ärmste“ entschlüpfen, ich tue mich schwer, es zurückzuhalten, aber so arg wird’s schon nicht sein, hoffe ich halt. Was soll das denn jetzt sein? Cool? Modern? Jung? Es ist nichts von alledem, natürlich nicht, es ist einfach nur traurig, und ein – ich vermute mal – Indiz dafür, dass das Leben der Autorin bisher sehr glatt und jedenfalls schnurgerade verlaufen ist, dass sie sich nie durchsetzen und behaupten musste, in jenem Teil der Welt, der nach wie vor von unseren männlichen Mit-Gesellschaftern geprägt bis bestimmt bis dominiert wird. Ich wünsche Dagmar Rosenfeld, dass das so bleiben möge. Vielleicht ist sie ja aber auch nur eine eher angepasste Persönlichkeit, eine, der es nichts ausmacht, sich zu fügen, und fremdbestimmt zu werden. Aber vielleicht merkt sie’s ja auch nur nicht. Für sie, die Journalistin, setze ich hier mal einen Link zu vielen ihrer Kolleginnen, der zwar ein bisschen off Topic ist, der Link, meine ich, aber sie doch sehr schön beschreibt, die Welt, in der auch Dagmar Rosenfeld sich bewegt, was ihr aber, wie gesagt, bisher auch (nur) entgangen sein könnte. Und nein, die Sprache allein wird an den Missverhältnissen nicht groß etwas ändern, aber sie kann helfen, denn jedenfalls besteht jedes große Ganze aus vielen kleinen Teilen. (mehr …)

Lasst sie doch!

Das war ziemlich peinlich gestern Abend, in den Nachrichten, wie der Herr Braitenberg die Frau Artioli auseinander genommen hat – das gehört sich nicht, für einen Moderator einer öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendung. Gerade vom Herrn Braitenberg, der ja sonst eher der feinere, intellektuell-elegante Typ ist, hätte ich mir einen derartigen Fauxpas nicht erwartet. Die Frau Artioli, muss ich sagen, hat sich eh recht elegant und ziemlich professionell bewegt, auf dem eingeseiften Parkett, und stand am Ende jedenfalls besser da als der Moderator, auch wenn er’s wahrscheinlich anders empfunden hat. (mehr …)

Friede, Freude, Straßennamen (und ein bisschen Geschichte)

Tatsächlich – ich habe nachgesehen: In ganz Bozen gibt es keinen Platz, keine Straße, keine Passage und keinen Winkel, der oder die das schöne Wort „Frieden“ in ihrem Namen trüge. Das ist schon ziemlich bemerkenswert, finde ich, in Anbetracht der Geschichte und Entwicklung unserer schönen Heimat, wie gut also, dass es ihm aufgefallen ist, dem Herrn Stenico, und er darauf aufmerksam gemacht hat. Bleibt zu hoffen, dass sein Ausrufezeichen die Aufmerksamkeit findet, die es verdient. (mehr …)