Wertschätzung

Also, neulich hörte ich einem Grüppchen Menschen bei einer Diskussion zu, es ging in ihrem Gespräch um die Eintragung in das Verzeichnis der Publizistinnen. Ein Journalist, der selbst in hoher Funktion bei der entsprechenden Kammer tätig gewesen war, berichtete, man habe sich dort darauf geeinigt, dass es für die Eintragung nicht reichen solle, über einen bestimmten Zeitraum hinweg und kontinuierlich journalistisch tätig zu sein, sondern dass diese Tätigkeit auch bezahlt werden müsse, um als solche anerkannt zu werden. Denn, so sprach der Herr, durch Bezahlung erst werde Wertschätzung zum Ausdruck gebracht, und Wertschätzung sei wichtig.

Im ersten Moment fand ich das einfach nur befremdlich, weil ja schließlich die Tatsache, so denke ich, dass eine Arbeit bezahlt wird, für sich allein noch längst nichts aussagt über deren Qualität. Ich z. B. könnte aus dem Stand eine ganze Reihe „journalistischer (aber beileibe nicht nur solche!) Arbeiten“ aufzählen, die zwar bezahlt, dessen ungeachtet aber von niedrigster oder überhaupt gar keiner Qualität sind. Umgekehrt geht auch. (mehr …)

Auswandern, Einwandern, Wandern

Menschen wandern, Menschen wandern ein, Menschen wandern aus. Das war schon immer so, und es wird wohl auch immer so bleiben. Auch wir Südtiroler könn(t)en ein (so genanntes) Lied davon singen, wenn wir denn wollten, über Auswanderung vor allen Dingen. Denn es ist noch gar nicht lange her, dass unsere eigenen Ahnen ihre Heimat verlassen mussten, weil es hier kein Auskommen gab, für sie nicht und für ihre Familie(n) nicht. Viele der Unseren wanderten aus, in die fernsten Länder, andere „nur“ über die Grenze, manche wanderten mit ihrer Handelsware monatelang durch aller Herren Länder, bevor sie wieder heimkehrten. (mehr …)

Ein Gespenst namens Volkstumspolitik

Ein Gespenst geistert durch unser Land, und das Gespenst heißt „Volkstumspolitik“. Die Chefpartei musste kräftig Federn lassen – schon seit bald zehn Jahren, habe ich mir sagen lassen, hatte sie den Rückwärtsgang eingelegt, aber diesen Herbst tat’s wohl erstmals *richtig* weh – und das, so wird gemunkelt und vermutet, liege in erster Linie daran, dass man bei der großen Sammelpartei aller deutsch- und ladinischsprachigen Südtiroler die Volkstumspolitik vernachlässigt und den entsprechenden Wählerpool den anderen deutschsprachigen Parteien überlassen habe. Das ist erst der Anfang, hier geht’s weiter

Charity

Neulich blätterte ich, vermutlich beim Haareschneiden, in einem dieser schönen Mode-Magazine, Vogue nennt es sich und ist berühmt für die schön(st)en Fotostrecken. Irgendwie blieb mein Blick an einer kleinen Nachricht hängen, oder vielleicht doch eher am Foto eines Stoff-Püppchens, ganz im roten Spitzendress, from top to toes ínklusive Ohrgeschmeide und goldenem Diadem.

Das hübsche Ding stammt aus dem Hause Dolce & Gabbana, erfuhr ich aus dem Begleittext, und kann ersteigert werden, in Paris und zugunsten von Kindern in Darfur, via UNICEF.

Nun bin ich sehr dafür, Kindern in Darfur, aber auch allen anderen Kindern zu helfen, wo und wie es nur geht und ich glaube auch, dass manchmal der Zweck die Mittel heiligt. In diesem besonderen Falle aber will der Knoten aus meinem Hals einfach nicht verschwinden, und eine Frage hört nicht auf, mich zu quälen:

Ist es nicht möglicherweise einfach nur über die Maßen zynisch, mit einem kostbaren Designer-Püppchen Geld zu sammeln für hungernde Kinder?

KleptomanInnen bei NSTZ

Das nun finde ich interessant: Die Tageszeitung – ja, genau, die mit dem schwer wiegenden Übergewicht an ausschließlich weiblicher nackter Haut auf ihren Titelseiten und überhaupt einem eher lustvoll frauenfeindlichen Auftreten auch in Ton und Ausdruck -, befleißigt sich heute in einem Artikel doch tatsächlich geschlechtergerechter Sprache bzw. eines (!) Binnen-I. … hier geht’s weiter

Und keineR sagt was

Mag sein, ich bin übermäßig empfindlich auf diesem Ohr; mag sogar sein, ich habe das eine oder andere Vorurteil; mag sein, ich sehe Gespenster und mag sein, nicht zuletzt, ich bin ein bisschen überbesorgt.

Jedoch: Da draußen, in der weiten Welt hinter unseren engen Bergen, wollen zwei „rechtspopulistische“ Parteien künftig gemeinsame Sache machen, gegen Europa, gegen die Einwanderer und überhaupt: Gegen so ziemlich alles, was anders ist, und sei es nur ein bisschen. Dieser Umstand wird allgemein reichlich gelassen aufgenommen – viel zu gelassen, für meinen Geschmack. (mehr …)

Vom Scheinsieg der Quotengegner

Wusst ich’s doch – jetzt wird der „Triumph“ der Quotengegner auch verschriftlicht, ist somit offiziell, geschniegelt und besiegelt und kann in diesem Artikel auf www.salto.bz nachgelesen werden, inklusive Tabelle, aus der tatsächlich ersichtlich zu werden scheint, dass die Wähler der „Südtiroler Freiheit“ am frauenfreundlichsten entschieden haben; gleich anschließend stehen „Die Freiheitlichen“ auf dem Siegertreppchen derer, die die beste Frauenarbeit geleistet haben, und sogar ohne das zu wollen. Da schau an. (mehr …)

Und immer wieder: Die Quote

Es ist schon faszinierend, wie „Frauenquote“ als Thema immer wieder und immer noch gut ist und jedenfalls für Audience und heftigst strittige Meinungen sorgt. Dabei ist doch die Sache so einfach: Es besteht, ganz ohne Zweifel, ein gesellschaftliches und völlig ungerechtfertigtes Ungleichgewicht zu Ungunsten der Frauen, einerseits; andererseits ist inzwischen Konsens, dass Frauen einen wichtigen und von Männern ob völlig anders gearteter Persönlichkeitsstrukturen nicht leistbaren, gesellschaftlichen Beitrag einbringen können, sollen und wollen. Es dürfte übrigens allseits bekannt und auch bis in Quotengegnerkreise durchgedrungen sein, dass diese Erkenntnis und dieses Verständnis nicht von allein aufblitzten in den Gehirnen derer, die bis dahin das Exklusivrecht auf das so genannte Sagen inne hatten, sondern dass es dafür jahrzehntelange, teils verbitterte und jedenfalls harte Kämpfe brauchte seitens der Frauen, jener zumal, die sich für die Rechte und Gleichberechtigung ihrer – netteren, weniger konflikt- und kampfbegabten, aber vielleicht auch nur gleichgültigeren – Geschlechtsgenossinnen in den Regen stellten und sich für diese Leistungen wenig mehr als Häme, Spott und sogar Verachtung einhandelten (die Früchte, da schau an, dieser Arbeit genießen heute natürlich auch jene, die sich so auffallend verbissen abgrenzen gegenüber den – wie sie’s nennen – „verbissenen“ Quoten- und Frauenrechtlerinnen). Daran hat sich scheint’s wenig geändert, auch, wenn Angelika Margesin gestern Abend nicht anerkennen wollte, dass ihre eigene und die Wahlschlappe ihrer Vorgängerinnen und Mitstreiterinnen bei SVP in erster Linie auf ihr offenes Eintreten für die Quote zurück zu führen sein könnte. (mehr …)

Schwerer Stand?

Er sah ein bisschen verkniffen aus, der designierte Landeshauptmann, gestern, in den Abendnachrichten, und recht dünnlippig, sein Kinn ein bisschen trotzig nach ganz weit oben geschoben, während er und die Südtiroler Nachrichten-Audience Richard Theiner dabei zuhörte, wie der davon sprach, dass zu diesem Zeitpunkt noch überhaupt keine Rede davon sein könne, mit welcher Partei man und frau SVP koalieren wolle. Gar keine Rede, absolut gar nicht. Im Ton und in der Rede überaus entschlossen wirkte der Herr Theiner, was ich ja an und für sich schon recht auffallend finde, mehr noch aber, weil es noch gar nicht lange her ist, als Arno Kompatscher und sogar recht deutlich kundtat, dass er mit den Freiheitlichen sich eine Zusammenarbeit nicht vorstellen könne, dass er aber gegen die Grünen keine Vorbehalte habe. Sie muss sich also schon wie ein härterer Schlag in die Magengrube angefühlt haben, für den Herrn Kompatscher, diese kleine und doch recht vielsagende Rede seines Parteimitmenschen Theiner, der ja, wenn ich nicht irre, nicht irgendein kleines Lichtlein, sondern gar der höchste Kopf in der Partei ist. Ob es übrigens Zufall war, dass just gestern die Südtiroler Tageszeitung Dolomiten berichtete, dass der scheidende Landeshauptmann zwar, selbstverständlich, denn nach einer so langen Politkarriere weiß man manchmal natürlich schon, was sich gehört, auch festmachte, dass über die Zusammensetzung der Landesregierung der Ausschuss zu beraten habe, dass aber eine eventuelle Zusammenarbeit mit den Grünen schon sehr heikel sei.

Es fällt ja übrigens auch auf, so will’s jedenfalls mir scheinen, dass überhaupt dem Arno Kompatscher gern und oft einer von den „anderen“, den alteingesessenen, zur Seite gestellt wird, die wirken immer ein bisschen wie Aufpasser, mit denen sich der Erneuerer sein Bad in der Menge und die öffentliche Aufmerksamkeit jedenfalls teilen muss. Insgesamt lässt mich das Bild nicht los von doch recht engen Fesseln, die der Herr Kompatscher vielleicht Mühe haben könnte, zu sprengen und die ihm seinen Stand im neuen Amt recht schwer machen könnten, trotz – oder wegen? – seiner vielen Stimmen aus dem Volke, nach seinem Eroberungszug durch die Provinz.

Bücherwürmer

Kolibri in Bozen hat Ausverkauf, totalen Ausverkauf, wegen Geschäftsauflassung. Schon vor Jahren hatte ich in meinem Haus-Blog geschrieben, wie sehr ich diese Buchhandlung mochte, ich finde nach wie vor, sie war die schönste: Die Atmosphäre, das knarzende Parkett, das diffuse Licht… und natürlich die schönsten Bücher. Habe ich schon mal gesagt, dass es nur wenige Orte gibt, auf dieser Welt, an denen ich mir wünsche, ich wäre Millionärin? Diese Orte sind immer und ausnahmslos: Buchhandlungen, solche wie Kolibri. Ja, und jetzt wünsche ich mir wieder einmal, dass ich Millionärin wäre, denn dann würde ich Kolibri sofort kaufen, im Ganzen, beim Putz und beim Stingel, wie wir hier sagen, und überhaupt nichts ändern. (mehr …)