Auf der Suche nach: Heimat (2)

Das ist sie, habe ich mir gedacht, gestern, als ich diesen Absatz hier las, in einem Text auf http://www.barfuss.it/

(…) Weinkartons, Spumante, Speck, Kaminwurzen, Schüttelbrot, Olivenöl, Kaffee, Fonzies, Parmesan, Crodino, eingelegte Tomaten, eingelegte Zucchini, eingelegte Melanzane (oder Aubergine, wie die Deutschen sagen), Gel von L’Oréal Volume 10 (in Deutschland gibt es nur die unteren Stufen), Fiesta-Brioche, Lattella, Grissini, Spuma, Cynar, Montenegro, Thunfisch, Barilla-Nudeln, Barilla-Sughi. (…)

da ist sie, „meine“ Heimat oder auch nur eine Heimat, und jedenfalls ein Bild, eine Geschichte in den sechs Buchstaben im kleinen Wort mit der großen Macht.

Heimat in Südtirol, das ist der Speck neben dem Spumante, ganz selbstverständlich, die Kaminwurzen und das Olivenöl, als sei keine Verbindung natürlicher, der Crodino und das Schüttelbrot, als gäb’s keine Grenzen, und die Sughi so selbstverständlich wie die Melanzane, im deutschsprachigen Text eines deutschsprachigen Südtirolers in einem deutschsprachigen Medium.

Ja, so ist sie, meine Heimat, und noch ist gar nicht alles gesagt.

Gut (Brot-)Ding will Weile haben

DSC_8804-350x234Ich gestehe: Ich bin ein Brot-Freak und bräuchte, um glücklich zu sein, wenig mehr als ein Stück guten Brotes. Gutes Brot aber, im klassischen Sinne, ist ein rares Gut geworden, in unseren Tagen, so sehr, dass ich persönlich ja zur Ansicht  neige, der Zustand einer Gesellschaft lässt sich an ihrem Brot ablesen und erkennen: Je übler das Brot, desto übler die Zustände in der Gesellschaft. Unter üblem Brot verstehe ich übrigens alles, was uns gemeinhin und mit wenigen Ausnahmen als „Grundnahrungsmittel“ zugemutet wird: Viel Luft (Schein!), wenig Substanz (Sein!); aufgeblasene Teigklumpen, die am besten schnurstracks verschlungen werden, weil je länger man kaut, desto übler der Geschmack, und überhaupt (langer Rede, kurzer Sinn): Viel Getue, wenig drin. (mehr …)

In Sachen: Heimat (weil’s so schön ist)

„Heimat“ und was das ist, darüber hatte ich mir nie Gedanken gemacht: Ich war viel weg gewesen von zuhause, als ich noch jung war, aber „Heimat“ war kein Begriff, mit dem ich etwas anfangen konnte, ich verband damit Dinge, die mit mir nichts zu tun hatten. „Heimat“, das war eng, war muffig, und jedenfalls kein bisschen spannend. Das, was daran hing und was ich damit verband, interessierte mich nicht, und also interessierte mich auch der Begriff selbst nicht. (mehr …)

Vom Weinbau in Georgien, Geschichte(n) und Patriotismus

ARTE zeigte gestern einen sehr schönen GEO-Reportage-Film über das Weinland Georgien (ich verlinke den Beitrag weiter unten, er ist wirklich sehr schön, wie übrigens alles, was von GEO kommt). Ich liebe solche Reportagen über fremde Menschen und fremde Länder, und bin  immer wieder fasziniert, wie viele Ähnlichkeiten sich in so vielen Dingen, kleinen und großen, immer wieder hervortun, obwohl man doch, auf die ersten paar oberflächlichen Blicke, meinen möchte, die unsere sei der jeweils anderen Kultur so unendlich fern und so gänzlich fremd. (mehr …)

Von der Seligkeit im Fußgewand

Meine Tochter ist, im Gegensatz zu mir, eine „Potschn“-Trägerin  und –liebhaberin. Ich konnte mich mit Hausschuhen nie recht anfreunden, sie kamen mir immer fürchterlich spießig und bieder vor. Hausschuhe. Das einzige Paar, das ich mir kaufte und an das ich mich mit wehem Herzen erinnere – sie haben sich längst in Luft aufgelöst -, war ein Paar originaler Ugg-Boots aus Australien, zu einer Zeit, als die noch kein Mensch trug. Sie waren herrlich warm und hatten sehr wenig bis gar nichts von einem „Hausschuh“. Vielleicht war die Gummisohle dran Schuld. (mehr …)

Who am I

Neulich hatte ich im Radio gehört, dass es einen „Spruch des Jahres“ gibt, und dass für 2013 dieser hier dazu erkoren wurde: „Ich wähle NSA – die interessieren sich wenigstens für mich“. Ja, der beißt, und ich amüsiere mich immer noch darüber. Im allgemeinen aber finde ich die Unzahl der „Best of“, mit denen wir immer dann zugemüllt werden, wenn ein Jahr zu Ende geht, selten sonderlich spannend.

In diesem Jahr ist das für mich ein bisschen anders, woran zwei Faktoren maßgeblich beteiligt sind: Zum einen wie gesagt die Erkenntnis, dass es einen Spruch des Jahres gibt, zum anderen der Papst. Wenn mich nämlich jemand fragen würde, welcher mein Spruch des Jahres ist, dann würde ich den über die NSA ohne zu zögern an die zweite Stelle rücken, und diesen hier nennen: (mehr …)

Von Schaumschlägern

Das ist jetzt mal wieder interessant. Schottland, das schon nächstes Jahr unabhängig werden will von der britischen Krone, ist ja immer eines der Lieblingsargumente unserer „Freiheit-für-Südtirol“-Rufer, wenn es darum geht, möglichst vielen von uns eine Loslösung von Italien schmackhaft und dazu glaubhaft zu machen, dass eine solche durchaus möglich wäre. Was die Schotten können, meint z. B. die Süd-Tiroler Freiheit, das kann Südtirol schon lange. (mehr …)

Auswandern, Einwandern, Wandern

Menschen wandern, Menschen wandern ein, Menschen wandern aus. Das war schon immer so, und es wird wohl auch immer so bleiben. Auch wir Südtiroler könn(t)en ein (so genanntes) Lied davon singen, wenn wir denn wollten, über Auswanderung vor allen Dingen. Denn es ist noch gar nicht lange her, dass unsere eigenen Ahnen ihre Heimat verlassen mussten, weil es hier kein Auskommen gab, für sie nicht und für ihre Familie(n) nicht. Viele der Unseren wanderten aus, in die fernsten Länder, andere „nur“ über die Grenze, manche wanderten mit ihrer Handelsware monatelang durch aller Herren Länder, bevor sie wieder heimkehrten. (mehr …)

Ein Gespenst namens Volkstumspolitik

Ein Gespenst geistert durch unser Land, und das Gespenst heißt „Volkstumspolitik“. Die Chefpartei musste kräftig Federn lassen – schon seit bald zehn Jahren, habe ich mir sagen lassen, hatte sie den Rückwärtsgang eingelegt, aber diesen Herbst tat’s wohl erstmals *richtig* weh – und das, so wird gemunkelt und vermutet, liege in erster Linie daran, dass man bei der großen Sammelpartei aller deutsch- und ladinischsprachigen Südtiroler die Volkstumspolitik vernachlässigt und den entsprechenden Wählerpool den anderen deutschsprachigen Parteien überlassen habe. Das ist erst der Anfang, hier geht’s weiter

Und keineR sagt was

Mag sein, ich bin übermäßig empfindlich auf diesem Ohr; mag sogar sein, ich habe das eine oder andere Vorurteil; mag sein, ich sehe Gespenster und mag sein, nicht zuletzt, ich bin ein bisschen überbesorgt.

Jedoch: Da draußen, in der weiten Welt hinter unseren engen Bergen, wollen zwei „rechtspopulistische“ Parteien künftig gemeinsame Sache machen, gegen Europa, gegen die Einwanderer und überhaupt: Gegen so ziemlich alles, was anders ist, und sei es nur ein bisschen. Dieser Umstand wird allgemein reichlich gelassen aufgenommen – viel zu gelassen, für meinen Geschmack. (mehr …)