Grenzen, mit Willkür, Unrecht und überhaupt: Ich hab‘ da mal ’ne Frage.

Ja, es wäre SEHR spannend, heute schon zu wissen, was die Geschichtsbücher dereinst, in zwei- oder drei- oder vierhundert Jahren, über die Geschehnisse unsere Tage erzählen werden, was die Studenten diskutieren, und was die Professoren lehren werden. Ich fürchte, das Bild, das wir als „zivilisierte“ Gesellschaft abgeben werden, ist nicht das Beste: Wie wird beispielsweise die Tatsache erzählt werden, dass viele, viele Tausende Menschen armselige, unwürdige und einsame Tode sterben mussten, im Mittelmeer und vor den Toren des (reichen!) Europa, bevor dieses Europa – seine höheren und höchsten Chargen – sich dazu herab ließ, einmal aufzuschauen, und kurz hinzusehen?

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Badeurlaub

Es mag dumm sein, aber ich kann’s nicht ändern: Seit geraumer Zeit schon – und ganz besonders in diesen letzen Tagen – frage ich mich, ob es wohl (noch) Menschen gibt, die an den Gestaden des Mittelmeers Badeurlaub machen wollen, machen können.

Denn es ist doch, sage ich mir, ein einziges, ungeteiltes Meer, ein einziges, großes Wasser, und also die Frage: Wo hört das Totenmeer auf, und fängt das Bademeer an?

Zwei Worte noch, und ein paar Gedanken, zum Equal Pay Day

Es war neulich wieder „Equal Pay Day“, oder auch „Internationaler Aktionstag für Entgeltgleichheit für Männer und Frauen“, oder auch: Ein Tag im Jahr und im Leben vieler Menschen, an dem auf geschlechterbedingte Lücke/n zwischen Gehältern aufmerksam gemacht werden soll. Überflüssig zu sagen, auf welcher Seite die Lücken klaffen. Es war übrigens auch der Internationale Tag des Glücks. (mehr …)

Von der Freiheit und Anonymen, mit Folgen (ein Versuch)

Die NSTZ hatte vor ein paar Tagen berichtet, dass ein Internetmagazin namens „Tablet“ das Kommentieren seiner Beiträge nur noch „zahlenden Kunden“ ermöglichen wolle. Dieser doch recht ungewöhnliche Schritt – im Netz, der vorwiegend-immer-noch-Gratiskultur – wird folgendermaßen erklärt:

(…) ist dieser Vorstoß besser, als wenn man alle Kommentare unterbindet, wie es manche Medien inzwischen tun. Bei „Tablet“ soll die Gebühr nun für eine Art „Zivilisierung” der Diskussion sorgen und „viele, wenn nicht die meisten der übelsten Missetäter ausschalten“.

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Vom Privileg, helfen zu können

Und während also da draußen diese erschreckende Gewalt-Orgie unser Land in Geiselhaft genommen hat – und ich meine hier einmal die andere Seite, die, die ganze Volksgruppen diffamiert und ihre Angehörigen unbesehen und ungeprüft zu Verbrechern deklariert und abstempelt, denn auch das ist Gewalt -, und während fast alle dabei zusehen, und nichts dazu zu sagen haben, selbst die nicht, die reden müssten; und während weiterhin viel zu viele mitmachen, und die Welle weitertragen, und sie aufschaukeln, sogar Menschen, die Verantwortung tragen, und Vorbilder sein sollten, derweil also möchte ich diese kleine Geschichte erzählen. Sie ist mir gestern wieder eingefallen, als mir eine Bekannte erzählt hat, wie eine pakistanische Grundschülerin von ihrer Klasse gemobbt wird, sie solle aus dem Land verschwinden, und alle anderen Ausländer auch, sie seien doch alle Verbrecher. (mehr …)

ZeitZeichen

Auch, wenn man manchmal das Gegenteil meinen möchte: Sie bewegt sich. Doch.

ZeitZeichen eins:

In New York lief bei der diesjährigen „New York Fashion Week“ erstmals ein Model mit Down-Syndrom über den Runway. Jamie Brewer, die übrigens auch eine erfolgreiche Schauspielerin ist, lief für Carrie Hammer, die schon letztes Jahr sehr erfolgreich ihre „Role Models Not Runway Models“-Kampagne gestartet hatte. „Die Show überstieg meine kühnsten Erwartungen“ sagt die Designerin. „Es macht mich glücklich, zu sehen, wie die Menschen in meiner Show lächeln, und froh sind“. Vorbilder statt Laufstegmodels, und fröhliche Gesichter statt dunkler Sonnenbrillen. Wenn das nicht Hoffnung macht. (mehr …)

Was bleibt

(Diesen Text hatte ich ursprünglich auf „salto.bz“ veröffentlicht.)

Verloren steht die Tüte im leeren Wartesaal des Bahnhofs am Brenner. Die, die sie hier abgestellt hatten, sind plötzlich verschwunden und jetzt vielleicht auf dem Weg nach Norden. Sehr wahrscheinlich ist es nicht. Nur noch wenige Stunden, dann wären sie am Ziel ihrer „Reise“, die ein Jahr und vier Monate gedauert hat. Ein Jahr und vier Monate: Eritrea, Sudan, Libyen, Italien, Brenner. (mehr …)

Die Haselnüsse des Aschenbrödel

Es ist ja der 25. November der Tag der Gewalt gegen Frauen. Ein wichtiger Tag, zweifelsohne, und es sind wichtige Botschaften, die uns heute auf verschiedenste Weise erreichen: Videos, eigens gedacht konzipiert und gedreht, Texte, Artikel und Fotos, um auf dieses – gewaltige! – Problem aufmerksam zu machen. Hoffen wir, dass all diese Botschaften auch ankommen, dort, wo sie ankommen sollen und die auch erreichen, die sie erreichen sollen. (mehr …)

(Ich will keine Wutbürgerin sein)

Um direkt mit der Tür ins Haus zu fallen, und es durch eine Hintertür wieder zu verlassen: Das so genannte „Wutbürgertum“ und alles, was darum herum und darauf auf-gebaut wird und werden soll, macht mir ein bisschen Angst. Ich weiß, ich stehe mit dieser Angst eher allein da – sie ist aber  da und lässt sich kein bisschen weg reden oder -wünschen. Zwar weiß ich aus persönlicher Erfahrung: Wut und Zorn sind ein erstklassiger und ziemlich potenter Motor, aber sie müssen auf klein(st)er Flamme köcheln bzw. in etwas Konstruktives münden und umgeleitet werden. Anderenfalls ist die Gefahr groß, dass sie blind machen und ihre Wirkung rein zerstörerisch ist. Oder vielleicht so: Wut ist ein erstklassiger Initialzünder – mehr sollte sie aber nicht sein (dürfen), denn: Auf (aus) Wut allein lässt sich nicht(s) bauen. (mehr …)