Und immer wieder: Die Quote

Es ist schon faszinierend, wie „Frauenquote“ als Thema immer wieder und immer noch gut ist und jedenfalls für Audience und heftigst strittige Meinungen sorgt. Dabei ist doch die Sache so einfach: Es besteht, ganz ohne Zweifel, ein gesellschaftliches und völlig ungerechtfertigtes Ungleichgewicht zu Ungunsten der Frauen, einerseits; andererseits ist inzwischen Konsens, dass Frauen einen wichtigen und von Männern ob völlig anders gearteter Persönlichkeitsstrukturen nicht leistbaren, gesellschaftlichen Beitrag einbringen können, sollen und wollen. Es dürfte übrigens allseits bekannt und auch bis in Quotengegnerkreise durchgedrungen sein, dass diese Erkenntnis und dieses Verständnis nicht von allein aufblitzten in den Gehirnen derer, die bis dahin das Exklusivrecht auf das so genannte Sagen inne hatten, sondern dass es dafür jahrzehntelange, teils verbitterte und jedenfalls harte Kämpfe brauchte seitens der Frauen, jener zumal, die sich für die Rechte und Gleichberechtigung ihrer – netteren, weniger konflikt- und kampfbegabten, aber vielleicht auch nur gleichgültigeren – Geschlechtsgenossinnen in den Regen stellten und sich für diese Leistungen wenig mehr als Häme, Spott und sogar Verachtung einhandelten (die Früchte, da schau an, dieser Arbeit genießen heute natürlich auch jene, die sich so auffallend verbissen abgrenzen gegenüber den – wie sie’s nennen – „verbissenen“ Quoten- und Frauenrechtlerinnen). Daran hat sich scheint’s wenig geändert, auch, wenn Angelika Margesin gestern Abend nicht anerkennen wollte, dass ihre eigene und die Wahlschlappe ihrer Vorgängerinnen und Mitstreiterinnen bei SVP in erster Linie auf ihr offenes Eintreten für die Quote zurück zu führen sein könnte. (mehr …)

Bücherwürmer

Kolibri in Bozen hat Ausverkauf, totalen Ausverkauf, wegen Geschäftsauflassung. Schon vor Jahren hatte ich in meinem Haus-Blog geschrieben, wie sehr ich diese Buchhandlung mochte, ich finde nach wie vor, sie war die schönste: Die Atmosphäre, das knarzende Parkett, das diffuse Licht… und natürlich die schönsten Bücher. Habe ich schon mal gesagt, dass es nur wenige Orte gibt, auf dieser Welt, an denen ich mir wünsche, ich wäre Millionärin? Diese Orte sind immer und ausnahmslos: Buchhandlungen, solche wie Kolibri. Ja, und jetzt wünsche ich mir wieder einmal, dass ich Millionärin wäre, denn dann würde ich Kolibri sofort kaufen, im Ganzen, beim Putz und beim Stingel, wie wir hier sagen, und überhaupt nichts ändern. (mehr …)

Verbockt, die Frauensache

So richtig schön verbockt, scheint mir, haben die Frauen ihre eigene Sache bei der Landtagswahl. Schade, dass ich nicht die Zeit habe, um Ursachenforschung zu betreiben: Was ist da los, im Jahre 2013, im Lande Südtirol?

Seit der hässlichen Watschn, mit der die Landes-Frauen-Chefin aus der Landes(Frauen)politik gejagt wurde, bin ich am Grübeln, und komme langsam zum Schluss: Südtirols Frauen, mehrheitlich SVP-Frauen, wollen also wohl lieber keine emanzipierten Frauen, die Politik machen statt Trockensträußchen, und sie wollen wohl auch keine Frauen, die fordern, sondern lieber Frauen, die folgen – und zwar den Erwartungen vermutlich ihrer eigenen und überhaupt der Männer. (mehr …)

Südtirol der Bürger

Enrico Letta hat gestern laut ARTE Journal im Rahmen von „Europa Nova“ (ab Minute 5) eine viel beachtete Rede gehalten, in der er eine sehr schöne Idee schuf: Ein „Europa der Bürger gegen das Europa der Populisten“.

Ja, habe ich mir gedacht, das müsste doch auch bei uns gehen: Ein Südtirol der Bürger, statt dem Südtirol der Populisten. Denn es bedrückt mich, wirklich, dass z. B. die Freiheitlichen auf ein 7. Landtagsmandat hoffen können, und die Grünen um ein drittes bangen müssen.

Tröstlich in dieser Sache: Arno Kompatscher, der wahrscheinliche Südtiroler Landeshauptmann ab morgen, möchte mit den Freiheitlichen lieber nicht zusammen arbeiten, während er „gegen die Grünen keine Vorbehalte“ hat. Das spricht für ihn, und lässt hoffen, für die Gesellschaft, die wir werden können.

Weniger ist mehr: Der Film

Hier ist er nun – I proudly present, was ich persönlich im Netz trotz intensiver Suche nicht finden konnte, aber nun – einem Facebook-Freund (sage noch eineR was gegen fb 😉 ) sei Dank, hier doch einstellen kann: Der Film über „Weniger ist mehr“ (Die Grenzen des Wachstums und das bessere Leben), der mich neulich Abend an den TV-Bildschirm bannte (das gelingt meist nur ARTE).

Schade. Wirklich schade!

Es tut sich was, in Südtirol, in Frauenbelangen. Wurde aber auch Zeit. Die Südtiroler Politik wird weiblich(er) – zumindest im Wahlkampf, ein bisschen. Der Landesbeirat für Chancengleichheit ruft auf zu „Mehr Frauen – Mehr Demokratie“ und lanciert eine starke Kampagne; nur wenige Tage später – richtig, es ist ja Wahlkampf – ruft die SVP-Frauenbewegung die ihren zu einem Abend unter dem Thema „Frauen in Führungspositionen als Mutmacherinnen“ zusammen, im Laufe desselben die SVP-Frauen-Chefin Margesin „rief die anwesenden Frauen dazu auf, sich gegenseitig solidarisch zur Seite zu stehen und Frauen in Führungspositionen zu unterstützen, sei es durch das konsequente Beharren auf der Vertretung der Frauen in allen Positionen, als auch durch das konsequente Wählen von Frauen.“ Gestritten wird dann aber scheinbar und laut Medienberichten darüber, ob „die Frau Plassnik Kinder habe“. (mehr …)

Populismus

Ich grüble schon länger darüber, wie das ist, mit dem Populismus. Kaum, dass eineR von den politisch Aktiven ein wenig Bodenhaftung an den Tag legt, wird auch schon drüber gefahren, mehr oder minder heftig, und „Populismus“ gebrüllt. Was ja übrigens auch schon wieder populistisch ist.

Ich jedenfalls frage mich, was da so falsch dran sein soll, nah dran zu sein am Volk. Oder geht es in der Politik etwa nicht gerade um das Volk? Wie sollen dann Politiker nicht populistisch sein? Das erklär mir doch bitte mal eineR. Mir jedenfalls kam auch schon mal der Zweifel, ob da nicht die hohen Herren Politiker sich etwa abgrenzen wollen, vom niederen Volk, und denen da unten möglichst nachhaltig verklickern, dass sie eh nix verstehen, von der Politik, und also die hohen Herren Politiker doch bittschön am besten in Ruhe machenschaften lassen sollen.

Ist da was?!

Neulich las ich mal wieder im Tagblatt der Südtiroler, auf Seite 15, „Im Zweifelsfall raus aus allem“, wie so mancheR LandtagskandidatIn sich von so manchem Verwaltungsratsposten verabschiedet, aus Angst vor der Unwählbarkeit. Scheint mir eine gesunde Einstellung zu sein, ich seh’s ja, bei uns im Dorf, da sitzen immer die gleichen in den immer gleichen Aufsichts- und Verwaltungsräten (oder vielleicht auch nur den wichtigen), und ziehen dort munter alle Fäden, die sie zu ziehen glauben müssen.

So weit so gut so korrekt, denke ich mir, und überlese ungestört all die fett gedruckten Namen, bis ich am Ende des Textes doch noch an einem solchen hängen bleibe, keine Ahnung warum, ich glaube, es war der Name von Hanspeter Munter, dem Wahlkampfleiter bei SVP, und von dort, keine Ahnung warum, lese ich mich zurück an den Anfang des Absatzes mit Hanspeter Munter, um dort, Teufel auch, mächtig eingebremst zu werden im raschen Lesefluss. „Die Unwählbarkeiten sind ein Problem der Mehrheit. Oppositionelle sitzen kaum in Verwaltungsräten“. Steht da. Genau so.

Hoppla! Was heißt denn das? Doch nicht, dass „die von der Opposition“ grundsätzlich kaum je in irgend etwas kompetent sind? Oder dass die solche Posten gar nicht wollen?! Oder dass die Verwaltungsräte nicht nach Kompetenz, sondern nach ihrer politischen Zugehörigkeit berufen werden? War das schon immer so? Ist das so üblich? Nur bei uns? Oder überall? Und überhaupt: Was hat der Posten eines Verwaltungsrates mit der politischen Zugehörigkeit zu tun?!

Eigenartig. Aber vielleicht ist ja dieser der Grund dafür, dass bei uns im Dorf immer die gleichen…

(M)Ein Wort des Jahres

Habe ich’s an dieser Stelle schon gesagt? Nein? Dann tu‘ ich’s jetzt und hiermit: Mein Vorschlag für die „Unwörter des Jahres“ ist a) „innovativ“ und b) (Wir müssen unsere) „Hausaufgaben machen“. ICH! KANN! SIE! NICHT! MEHR! HÖREN!

Die logische Konsequenz, auf das Unwort des Jahres? Natürlich – das „Wort des Jahres“. Mein persönliches Wort des Jahres. Ich grüble jetzt schon ein Weilchen darüber nach, es ist gar nicht so einfach. Und so habe ich meinen Lieblings-Sparring-Partner zu Rate gezogen, als da wäre: Meine übergeliebte Tochter. Ein Wort, sagte ich zu ihr wie zu mir, ein Wort, unter dessen Schirmherrschaft ich mich gern stellen würde, was meinst du, was würde passen? Gerechtigkeit, wäre meins, darüber hatte ich schon nachgedacht, es ist „mein“ Wort, schon immer gewesen, und die Gerechtigkeit selbst mein stärkster Motivator. In so manchem Kampf hätte ich frühzeitig die Segel gestrichen – wenn nicht immer wieder diese kleine Stimme mit ihrem hartnäckigen „aber das ist so! einfach! nicht! gerecht!“ mich wieder an und weiter getrieben hätte. Trotzdem, „Gerechtigkeit“ ist wohl ein bisschen sehr… na ja, naheliegend. Naheliegend, fällt mir da ein und sage ich zu meiner Tochter, im Scherz, naheliegend als Schirmherrschaft-Wort für mich wäre aber auch QUOTE! Ha ha. Exakt derselbe Gedanke war ihr auch schon gekommen. Ha ha ha.

Aber, fällt mir gleich danach ein, denn nicht immer ist lustig, worüber wir lachen, und das hier ist überhaupt gar nicht lustig, sondern in Wahrheit und vielmehr ultimativ

  1. beschämend, dass wir – moderne, demokratisch aufgestellte Gesellschaft – im Jahre 2013 über so etwas wie eine Frauenquote überhaupt (noch) diskutieren müssen,
  2. erbärmlich, dass es nach wie vor – und gar nicht wenige – Männer gibt, die sich wie verrückt darüber aufregen, über die Quote, und laut „das ist ungerecht“ durch die Gegend brüllen,
  3. ein Armutszeugnis, dass Frauen nicht schon längst die Hälfte aller wichtigen politischen Positionen innehaben,
  4. einfach nur traurig, dass sich das Thema also nicht schon längst erledigt hat.

Ja, wer weiß, am Ende stelle ich mich doch glatt noch unter die „Quote“-Schirmherrschaft. Aus Protest.

Und übrigens… „Quote“ ist ja auch nur ein anderer Name für „Gerechtigkeit“. Wer also auch nur ein kleines bisschen Gerechtigkeitsempfinden sein eigen nennt, kann gar nicht anders, als für eine Frauenquote – in der Politik zumal – ein- und gerade zu stehen.