Verbockt, die Frauensache

So richtig schön verbockt, scheint mir, haben die Frauen ihre eigene Sache bei der Landtagswahl. Schade, dass ich nicht die Zeit habe, um Ursachenforschung zu betreiben: Was ist da los, im Jahre 2013, im Lande Südtirol?

Seit der hässlichen Watschn, mit der die Landes-Frauen-Chefin aus der Landes(Frauen)politik gejagt wurde, bin ich am Grübeln, und komme langsam zum Schluss: Südtirols Frauen, mehrheitlich SVP-Frauen, wollen also wohl lieber keine emanzipierten Frauen, die Politik machen statt Trockensträußchen, und sie wollen wohl auch keine Frauen, die fordern, sondern lieber Frauen, die folgen – und zwar den Erwartungen vermutlich ihrer eigenen und überhaupt der Männer.

In Sachen „Was ist da los?“ also fallen mir aber unmittelbar nicht nur die SVP-, sondern auch die (gewählten) Frauen der Freiheitlichen ein. Denn die sind auffallend hübsch (jene zumal, die’s nach ganz vorne geschafft haben), blicken nett in die Kamera, und machen Politik, ja sicher, und manchmal sogar ziemlich laut, aber sie machen die Politik der Männer, und folgen männlichem Willen und männlichem Wesen auch sonst recht bescheiden hinterdrein, ohne auch nur ein oder zwei Anliegen in eigener oder Frauensache zu verfolgen. Sie sind – in politischen Fragen zumal – schlicht: die Stimme der Männer im weiblichen Gewand. Den gesellschaftlichen Nutzen einer solchen Nicht-Entwicklung kann ich nicht erkennen.

Als nächstes fällt mir die SVP-Kandidatin Marie Måwe ein, die Frau aus Schweden ohne Staatsbürgerschaft und ohne Programm, die aber trotzdem mehr als 6.000 SVP-Stimmen auf ihrem reizenden, blonden Landes-Angestellten-Haupte vereinen konnte, womit sie sich nur knapp hinter der – davon gehe ich einfach mal aus – tüchtigen kompakten kompetenten und auch exakt so auftretenden aber eher wenig blonden Unternehmerin Heidi Felderer platzierte. Das tut weh, denn es zeigt auch recht deutlich, wonach Südtiroler Wählerinnen der Sinn steht: Nämlich exakt, wonach auch Südtiroler Männern der Sinn steht, und also keineswegs nach „Kompetenz und Durchsetzungsvermögen“, sondern nach ihrem geraden Gegenteil, als da wäre: Hübsches Aussehen, das auch gleich Nettig- und Gefügigkeit im Denken und im Handeln signalisiert.

Denn auch Angelika Margesin, Hauptfrau der SVP-Frauen und die, die die schallendste Ohrfeige ein- und wegstecken musste, präsentierte sich als kerzengerade und toughe Frau mit klarem Willen – und wurde dafür abgestraft, während die Frau Deeg und ihr braves, ein bisschen biederes Erscheinungsbild: 12.228 Mal prämiert wurde.

So weit, so trist, so erschreckend, und ich weiß nicht wirklich, was ich davon halten soll. Aber ich gelange zunehmend zur immer festeren Überzeugung, dass wir vielleicht einfach aufhören sollten, Frauen- von Männerpolitik zu trennen. Denn Männer und Frauen interessieren doch – gezwungenermaßen, denn wir leben ja schließlich alle in ein- und derselben Welt – dieselben Dinge; der Unterschied ist allein, dass Frauen diese Dinge anders betrachten und bewerten als Männer das tun, worin auch letztlich der Sinn und der Nutzen von Frauenpolitik liegt, nämlich exakt darin, dieses „anders“ als Plus in die Politik und die Gesellschaft einzubringen. Und also sollten (müssen) wir auch dann, wenn’s um sog. Frauenthemen geht, die Männer einbinden und einbeziehen. Und ja, vielleicht sollten wir auch damit anfangen, die Sache der Frau konsequent parteiübergreifend zu organisieren und zu gestalten. Aber: Keineswegs sollten wir aufhören, eine Frauenquote, und zwar eine konsequente will sagen eine fünfzig-Prozent-Quote zu fordern, und uns keineswegs beirren lassen von denen (verunsicherte Männer und unsichere Frauen), die jetzt triumphieren, da’s die „Nicht-Quote der Quote“ gezeigt hat“.

Ich weiß es nicht, aber ich fürchte, der Gedanke ist nicht wirklich abwegig, dass die meisten Frauen schlicht Angst davor haben, sich als unabhängige/selbständige/toughe Frau zu sehen und zu gestalten, aus dem simplen Grunde, dass sie dann nicht nur UM die Zuneigung ihres Mannes (bzw. der Männer) fürchten müssten, sondern – mehr noch – gar selbst den Respekt vor ihren Männern verlieren könnten. Denn tatsächlich, auf den ersten (oberflächlichen Blick): Was bleibt denn noch, vom traditionellen Mann, in den Augen seiner traditionellen Frau, wenn alles, was das traditionelle Männerbild ausmacht, sich quasi erübrigt?! Allein, sie vergessen, diese traditionellen Frauen und diese traditionellen Männer, dass keineswegs der Mann an und für sich seine Berechtigung verliert, sondern lediglich das Bild, das sie selbst und die Gesellschaft bisher von ihm hatte/n; dieses Bild nun darf, denke ich, ohne weiteres in der Vergangenheit verschwinden, wenn dafür ein neuer Mann die Bildfläche betritt.

Insofern werden wir also vermutlich nur dann Erfolg haben in der Sache der neuen Frau, wenn gleichzeitig die Männer für die Sache des neuen Mannes kämpfen. Am besten wär’s ja, wir würden gemeinsam kämpfen.

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