Die Qual der Wahl

… hatte ich nicht wirklich. Heute wäre das vielleicht anders, denn meine Wahrnehmung in Sachen „Fernwanderwege“ ist mittlerweile maximal geschärft: Ich weiß jetzt, dass es eine sehr große Vielfalt (*) sehr schöner Fernwanderwege gibt, auch in niedrigeren Höhenlagen und also auch für mich geeignet, die ich seit der Geburt meiner Tochter unter einer ebenso unerklärlichen wie absurden Höhenangst leide. So etwas wie der E45 wäre also für mich schon aus diesem Grunde keine Option. Zudem finde ich Berge schön, die Talböden mit ihren Menschen-Geschichte(n) aber ungleich spannender. Jedenfalls aber habe ich über die Jahre und Jahrzehnte gelernt, dass die Qual der (großen Aus-)Wahl fast immer eine Einbildung ist: Meist löst sich eine anfängliche und nur scheinbare Myriade von Möglichkeiten sehr schnell in wenig mehr als – im schlimmstmöglichen Fall – eine Handvoll tatsächlicher Optionen auf.

In unserem Falle ging das so:

1. Ich hatte nur im Frühjahr Zeit, von etwa Ende März bis maximal Anfang/Mitte Mai; Höhenwanderwege schließen sich um diese Jahreszeit von allein aus, zudem ist da ja noch meine erbärmliche Höhenangst;

2. Im Frühjahr ist im allgemeinen der Süden reizvoller als der Norden – für mich allemal: Ich ziehe die südlichen Erdteile zu allen Jahreszeiten vor;

3. Die klimatischen, wahrscheinlichen Bedingungen und Unwägbarkeiten legen um diese Jahreszeit ebenfalls den Süden näher als den Norden;

4. Ich wollte die Anreise auf ein absolutes Mindestmaß reduzieren; am liebsten wäre ich bei meiner Haustür gestartet (ich neige dazu, ein Alles-oder-gar-Nichts-Typ zu sein, aber manchmal lassen sich Kompromisse auch beim besten aller Willen nicht vermeiden);

5. Ich hatte keine Lust auf Wandererhorden, wie sie – so wird berichtet – auf dem berühmtesten aller Fernwanderwege, dem Jakobsweg, unterwegs sind;

6. Ich habe eine große Schwäche für alles, was Geschichte hat;

7. Ich wollte weit, aber nicht zu weit gehen, und auf einem Weg, der als solcher „gekennzeichnet“ und einigermaßen bekannt ist. Mehr „Abenteuer“ ging sich zeitlich nicht aus.

Nicht zuletzt gestehe ich gern: Italien, dieses Land, seine Kultur seine Natur seine Küche seine Menschen und überhaupt wird wohl nie aufhören, mich anzuziehen und zu faszinieren.

Ich muss aber schon auch sagen, dass ich nicht groß recherchiert habe, als im Sommer letzten Jahres in mir die Idee reifte, dass ich ja vielleicht, wenn sich alles gut fügt und die Dinge entsprechend entwickeln, im Frühjahr 2014 so eine Fernwanderung möglicherweise machen könnte (was mir damals eher unwahrscheinlich als wahrscheinlich erschien).

Und so konnte ich gar nicht anders, als bei „Via Francigena“ zu landen. Diese Landung habe ich keine Sekunde bereut: Wir hätten keinen besseren Einstiegsweg finden und keine bessere Wahl treffen können.

Vielleicht hatten wir aber auch „nur“ sehr viel Glück, und waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Denn eins ist ziemlich sicher: Im (Hoch-)Sommer macht diese Route über weite Strecken vermutlich sehr viel weniger Freude.

(*) Zum Beispiel stelle ich mir diesen hier Der Lykische Pfad (Türkei)  sehr schön und sehr spannend vor, oder einen der (anderen) Kulturwege des Europa-Rates: Itinerari Culturali del Consiglio d’Europa.

PS: In Pavia, gleich hinter der überdachten Brücke, sahen wir das Schild wie oben im Bild zum ersten Mal – Katerina hatte es als erste erspäht -, und wir wurden beide ganz aufgeregt. Es sollte uns ein guter, treuer, wenn auch hin und wieder unzuverlässiger Wegbegleiter werden.

Ungeat’s di?

„The games have always been a little gay“, sagt Canada. Das ist es, was mir an den Olympischen Winterspielen in Sotchi besonders gut gefallen hat: Dieser „stille“ und teils sehr humorvolle – so empfand ich das jedenfalls, niemals aufdringlich, dafür umso eindringlicher – Protest, hervorragend umgesetzt (auch) in diesem Video der kanadischen Regierung (!). Schön gemacht! gut gemacht!

Es reicht! Jetzt!

Es nervt, und es ist genug jetzt. Rentenskandal, Dildoskandal – der sich dann als Penisring-Skandal erweist (ha! denn auf die Idee ist erst mal wohl keiner gekommen, dass einer der überzähligen Männer im Landtag so ein Erregungs-Hilfsmittel brauchen könnte…) und kein Ende in Sicht. Ein Gutes hat aber hat die Sache: Endlich mal ein knackiger Männerhintern auf dem Titel der NSTZ, statt der ewigen Brüste.

Erneuerung tut not, aber sie lässt gefährlich lange auf sich warten. (mehr …)

Warum Frauen keine Frauen wählen (ein Versuch)

In diesen letzten Tagen wurde die Frage, warum Frauen nicht Frauen wählen, vermehrt vor mein Bewusstsein gespült, keine Ahnung woher und warum, aber das spielt ja auch gar keine Rolle. Tatsache ist, dass sie wohl schon seit vielen Jahren in den dunklen Höhen meines Bewusstseins schlummert, vermutlich seit damals, meine Tochter war noch klein und es muss also schon weit über zehn Jahre her sein, als eine Bekannte mich empört zurecht wies, dass „wir Frauen schon Frauen wählen müssen“. Ich sehe mich noch heute, wie ich innerlich zusammen zuckte und meinerseits ziemlich empört in mich hinein dachte, so ein Schmarrn, das ist doch kein Argument, denn natürlich wähle ich Frauen nicht, „weil sie Frauen sind“, und auch nicht, weil „Frauen Frauen wählen (müssen)“. Die Frauen, die ich wählen will, müssen meine Interessen vertreten, dort ganz vorne, und bitte möglichst erfolgreich. (mehr …)

Von Privilegien und Diskriminierung

Und wieder einmal steht „die Glaubwürdigkeit“ auf dem Spiel, und einmal mehr übt sich unsere Nachrücker-Politiker-Generation in Schadensbegrenzung und darin, „das Vertrauen der Bevölkerung“ wieder zu gewinnen. Wenn die bloß auch mal zum Arbeiten kommen, denke ich mir, und dazu, Dinge voran zu treiben und „Veränderung“ herbei zu arbeiten, die, die sie so oft beschworen hatten, als noch Wahlkampf war und alles möglich schien.  (mehr …)

Ein Valentinstag

Es war ja gestern Valentinstag, oder auch Tag der Liebe(nden) und ich muss für mein Teil sagen, dass ich nicht viel davon halte, wie ich auch vom Muttertag wenig halte und überhaupt von solchen (Bedenk-)Tagen, entbinden sie uns doch gewissermaßen an allen anderen Tagen von der Aufgabe und der Pflicht, eben das zu tun, was wir an diesen „-tagen“ ein Mal im Jahr tun, nämlich den Menschen, die wir lieben und die uns teuer sind, unsere Wertschätzung zu zeigen.

Anders ist das, wenn solche „-tage“ dazu dienen, auf Missstände aufmerksam zu machen, und sie also ein hochwirksames Instrument sind, um für eine Sache mehr Aufmerksamkeit zu bekommen und eine größere Öffentlichkeit zu erreichen. In solchen Fällen finde ich „-tage“ äußerst sinnvoll. Wie zum Beispiel den gestrigen „V“-Tag (wobei dieses „V“ sowohl für „Valentin(s)“ als auch für „Victory“ stehen kann), von „One Billion Rising„, an dem die Welt sehen sollte (ich hoffe, es ist gelungen, ein starker Anfang ist es allemal), dass immer noch mehr als ein Drittel aller Frauen und Mädchen auf die eine oder andere Art Opfer von Gewalt werden.

Ich finde es übrigens besonders wichtig, dass (auch) jene Formen der Gewalt herausgearbeitet werden, die gerade von Männern nicht unmittelbar (wenn überhaupt) als Gewalt erkannt und anerkannt werden.

In diesem Sinne, diese Bilder:

Unterdrückte Mehrheit

Seit ein paar Tagen zirkuliert ein Kurzfilm im Internet, ein Film, in dem mithilfe des so genannten „gender swap“ sehr direkt vermittelt wird, was es heißt, Frau zu sein, mitten in Europa, im Jahre 2014. Gestern war der Film mit dem Titel „Majorité Opprimé“, zu deutsch: Unterdrückte Mehrheit, auch bei „Zeit Online“ angekommen, überschrieben mit „Das Matriarchat grapscht zurück„. Den Titel finde ich recht unglücklich gewählt, der Begleittext ist auch nicht wirklich auf Zeit-Niveau – aber wie immer sind die User-Kommentare ziemlich aufschlussreich.

Aber hier erst Mal der Film:

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Ärgerlich, sehr ärgerlich (ungeschickt dazu).

Das nun finde ich über die Maßen ärgerlich, wie *man* bei SVP auf das Ergebnis der Südtiroler Volksbefragung am Sonntag reagiert: wenig diplomatisch, wenig sportlich, und schon gar nicht elegant. Man übt sich vielmehr im Ausreden weben und zusammenkleistern, und was dabei herauskommt ist erbärmlicher Mst und zeugt sehr schön davon, was *man* bei SVP versteht unter „Demut“, die viel zitierte gleich nach der gewonnenen Schlacht, „Kommunikation“, „mit den Bürgern reden“ und was sonst noch alles an Süßholz geraspelt wurde im Hinblick auf den Wahlsieg, den es zu erringen galt. (mehr …)

„I hate the word homophobia.

It’s not a phobia. You’re not scared. You’re an asshole“.

(Morgan Freeman zugeschrieben, aber nicht gesichert. Egal – der Satz ist jedenfalls gut, weil er ganz einfach die Wahrheit sagt).

Aber hier der eigentliche Sinn und Zweck meines Tuns, nämlich: Das erste Video in der Sammlung „Ungeats di?“. Es ist gewollt und in die Welt gebracht vom norwegischen Sportartikelhersteller „XXL„, als norwegische Antwort auf die homophoben Anstrengungen in Putins Russland und auf die Schatten, die diese auf die olympischen Spiele in Sochi werfen.

NB: Mist aber auch 😀

Friss, Vogel, oder stirb.

Spricht der Herr Achammer in „Pro & Contra“ zum Thema Direkte Demokratie: „Das ist ein bisschen irreführend, denn es ist ja nicht so, dass automatisch ein besseres Gesetz angewandt wird, wenn am Sonntag unser Gesetzesentwurf abgelehnt wird. Dann geht die Debatte von vorne los“ (oder auch: Friss, Vogel, oder stirb).

Das rief mir das heutige „Vorausgeschickt“ im Tagblatt der Südtiroler in Erinnerung, das mich (auch) in Grübeleien versetzte. Frau Barbara Varesco sagt nämlich exakt, was der Herr Achammer sagt, allerdings mit dem Zusatz, dass „die Nein-Sager das Rennen machen“. In welchem Falle, so Frau Varesco, das Gesetz von 2005 bestehen bleibt, und die Debatte von vorne los geht. Dann schiebt Frau Varesco noch nach, dass jedes Referendum

„aber kostet drei Millionen Euro, und wir stimmen nach 2011 zum zweiten Mal über ein Gesetz zur direkten Demokratie ab. Das sind sechs Millionen Euro, die anderswo nötiger wären“.

Mit diesem letzten Satz hat Frau Varesco zweifelsohne recht – trotzdem aber frage ich mich:

Hätte man sich das nicht früher überlegen können, bei SVP?!