Die FAZ (online) berichtete gestern: „Kaum Männer arbeiten in Kitas“. Und je weiter sich die deutschen Lande gen Süden ausdehnen, desto weniger Männer können sich – scheinbar – für den Beruf des Erziehers erwärmen. Die Bayern sind die letzten in dieser Rangfolge. Das ist interessant, finde ich, insbesondere im Gedenken an den jüngst in den Medien heftig diskutierten „Fensterln“-Zwischenfall.

Ein Bekannter hat zu dem oben erwähnten Text gemeint, es gäbe – natürlich! – zu wenige männliche Erzieher, er kenne aber andererseits zahlreiche junge Männer, die sehr gern diesen Beruf wählen würden, dass aber die Pädophilen-Hysterie sie davon abhalte, also die Angst davor, für einen Pädophilen gehalten zu werden, und dass sogar just dieses „Argument“ aus den düsteren Tiefen weiblicher Erzieherinnen-Schürzen gekramt würde, um jungen, willigen Männern den Zugang zu diesem – angeblich – urweiblichen Metier zu verwehren.

Falls dem so sein sollte, wäre das ein Skandal, ohne Frage. Und jedenfalls erscheint es mir recht unlogisch, Anwärtern und Interessenten eine berufliche Entwicklung zu verwehren, die der Gesellschaft in ihrem Ganzen zum Vorteil gereichen würde, wegen Vorurteilen (!) und der Tatsache, dass sie einem Klischee nicht entsprechen, bzw. es möglicherweise tun könnten. Das ist, vermutlich, die Umkehrung der Diskriminierung, die uns Frauen an unserer größtmöglichen Entwicklung und Entfaltung, im gesellschaftlichen Sinne, hindert. Einerseits. Andererseits würde, vielleicht, ein wenig mehr Engagement, lauteres Engagement also, jener jungen Männer, denen ihr Weg zum Erzieher angeblich von hässlichen Vorurteilen verwehrt wird, der Sache dienlich sein und sie voran bringen. Ich höre aber, auch das ist Fakt, eher selten – eigentlich so gut wie nie – von solchem Engagement, von Protesten, Demonstrationen, Eingaben und Petitionen, und komme also nicht umhin, zumindest einen weiteren Grund für die schwache Repräsentanz des männlichen Geschlechts in dieser Branche dort zu vermuten, wo geschrieben steht: Schlecht angesehener Job. Schlecht bezahlter Job, und also, in männlichen Augen: Wertloser Job, (weil) Frauenjob (umgekehrt geht übrigens auch). Wobei ja, ohne weiteres auch darüber diskutiert werden könnte (werden müsste), warum der Wert einer Sache/eines Tuns so ausschließlich an ihrem materiellen Output festgemacht wird, und warum diese 1. männliche und 2. ökonomisierte Sicht auf alle Dinge nicht schon längst in Frage gestellt wurde. Aber das ist ein anderes Thema.

Denn es wird ja alleweil so getan, als wäre es für die weibliche Gleichstellung und Emanzipation nötig und gar unabdingbar, dass Frauen mehr in die so genannten „Männerbereiche“ vor- und eindringen. MINT zum Beispiel ist so ein großes Thema, und die – ständig gestellte – Frage, warum bloß Frauen sich nicht stärker in diesen hoch angesehenen und entsprechend bezahlten Branchen engagieren und einbringen, wobei übrigens immer ein bisschen ein hämisches a) „weil-sie-es-nicht-können“ und b) „seht-ihr?-selbst-schuld“ mit. Dabei: Who cares? So what? Wenn Frauen Lust auf MINT haben, dann werden sie sich auch dort engagieren. Wenn nicht, eben nicht. Dass sie’s können, ist überhaupt gar keine Frage, und wer sie trotzdem stellt, ist schlicht: ideologisch-oder-nicht, aber jedenfalls: verblendet.

In dieser MINT- und ähnlich gelagerten Debatten zeigt sich aber wieder und einmal mehr, dass Frauen immer noch und trotz allem mit dem männlichen Blick bewertet werden, aus männlicher Warte, nach männlichen Standards, Maß- und Vorgaben. Im Grunde bleibt also, auf diese Weise, das Muster, nach dem wir leben und innerhalb dessen Rahmen(-bedingungen) wir uns bewegen, wir Frauen, wir Männer, wir Welt: Ein männliches. Oder, anders rum: Es wird aus einem Streifenmuster noch längst keine Arabeske, bloß weil der Pinselstrich stärker oder die Farbe eine andere ist.

Emanzipation, jene mit dem großen Anfangsbuchstaben, hat also vielleicht weniger damit zu tun, dass Frauen Männerbereiche erobern, und sehr viel mehr damit, dass Frauenbereiche, „Frauenjobs“  und überhaupt: Frauen-Art jene BeWERTung erfahren, die sie verdienen und die ihnen zusteht. Dafür braucht’s selbstbewusste Frauen – und natürlich Frauen, die sich von männlichen Vorstellungen davon, was wertvoll ist, und was nicht, emanzipiert haben. Denn es ist, mit unbelastetem und unvoreingenommenem Auge, tatsächlich nicht so ohne weiteres zu erkennen, warum – zum Beispiel – ein Ingenieur im Maschinenbau wertvoller sein sollte als eine Person, der wir unsere Kinder anvertrauen, die sie – mit uns – erzieht, formt, prägt, und mit unseren Kindern unser aller Zukunft. Außer natürlich, die „Bewertung“ erfolgt mit den Augen und dem Geist derer, die überzeugt davon sind, dass grundsätzlich alles männliche allem weiblichen überlegen ist.

Ich bin mir noch nicht ganz im Klaren darüber, ob es insofern also „legitim“ wäre, mehr Männer in Frauenberufe zu holen. Zum Beispiel als Erzieher. Es wäre, vielleicht, eine Abkürzung, denn Fakt ist – leider (auch darin zeigt sich sehr schön wir dringend nötig Frauenquoten sind – in Politik und Wirtschaft, und überhaupt):

„Es ist nicht leicht, Jungs für den Job zu gewinnen. Er ist dramatisch unterbezahlt, Kinderpfleger verdienen zwischen 1500 und 2100 Euro brutto im Monat. Der Job bietet, abgesehen von der Aussicht auf eine Kita-Leitung, kaum Aufstiegschancen. Dass der Beruf des Erziehers attraktiver werden muss, geben sie sogar beim Familienministerium zu. Zitat aus einer Broschüre des Ministeriums: »Die drei- bis fünfjährige unbezahlte Ausbildung für den Beruf ist alles andere als attraktiv. Auch das ist ein Grund, warum besonders Männer sich gegen diesen Beruf entscheiden. Gerade angesichts des enormen Stellenwerts dieser Ausbildung für die Gesellschaft muss hier nachgebessert werden.“ (aus: „Nicht auf den Schoß nehmen, Süddeutsche Zeitung Magazin“)

Fakt ist auch (und noch einmal: Nur Quoten können diesen Missstand rasch und nachhaltig beseitigen):

Ein Thema wird wichtig, wenn Männer sich dafür interessieren.

Das hat, ja wirklich, ein deutscher Politiker einmal gesagt, allen Ernstes, und vor wenigen Monaten. Das Bedrückendste an der Sache ist aber, dass scheinbar niemandem die Tragweite – die tragische Tragweite – einer solchen Aussage aufgefallen ist, denn es gab keinen Aufschrei, keine Empörung, keinen Kommentar. Es gab: Nichts. (Ich kann den Text, in dem dieser Satz geschrieben steht, auf die Schnelle leider nicht wiederfinden. Aber ich hole das nach, bei nächster Gelegenheit).

Mir scheint also, am Ende meiner Überlegungen und Beweisführung, und natürlich aus den genannten und vielleicht noch ein paar Gründen, dass die jungen Männer, die sich für den Beruf des Kinder-Erziehers interessieren, maximale Unterstützung erfahren und erhalten sollten. Und die, die sich weniger dafür interessieren, die Bayern zum Beispiel, sollten aktiv dazu animiert werden, vielleicht gar – warum auch nicht?! – mithilfe einer verpflichtenden Männerquote.

So viel Gleichberechtigung sind wir uns schuldig, wir alle, uns allen.

Mehr dazu (aus dieser meiner Denk- und Schreibkiste hier): Von der Schierigkeit, Jungs zu gewinnen

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