Die jüngsten – neuen – Fördermaßnahmen der Autonomen Provinz lassen aufhorchen: In den Genuss von finanzieller Unterstützung aus dem öffentlichen Säckel kommen demzufolge künftig die so genannten „Tante Emma“-Läden draußen auf dem Lande (oder auch: „Nahversorgung“… immer diese hässlichen,  sterilen Wortschöpfungen…), sowie Arbeitgeber, die „hoch qualifizierte MitarbeiterInnen“ einstellen. In diesem letzteren Zusammenhang finde ich besonders interessant, wie unsere Landesregierung „hoch qualifiziert“ definiert – nämlich so: „Personal mit Fachlaureat oder Doktorat in technisch-wissenschaftlichen Disziplinen mit mindestens fünfjähriger Berufserfahrung.“ Diese Definition greift ein bisschen sehr kurz, nicht wahr, und ist eigentlich ein Affront für all die vielen Nicht-Akademiker, die hoch qualifiziert sind, und hoch professionell.Denn „qualifiziert“ heißt doch nichts anderes, als dass jemand ihre Sache gründlich beherrscht – der „Duden“ sagt im Übrigen auch nichts anderes: http://www.duden.de/rechtschreibung/qualifiziert. Ich kenne so manche Handwerker, denen so manche Akademiker die nächsten dreihundert Jahre lang nicht das Wasser reichen können, weder was „Qualifizierung“ noch was „Professionalität“ anbelangt. Wir sollten da vielleicht mal runterkommen, von diesen Automatismen, nach denen grundsätzlich „besser“ ist, was „studiert“ ist. Denn das stimmt so nicht. Vielleicht sollte also die Landesregierung noch einmal überlegen, ob sie „hoch qualifiziert“ oder vielleicht doch eher „Forschung und Technik“ fördern will.

Sehr schön hingegen finde ich die Förderung der „Tante Emma“-Läden, denn die sind ja meist sehr viel mehr als „nur“ eine Einkaufsmöglichkeit. Sie sind oft das soziale und überhaupt Herz eines Dorfes, was ich im Frühjahr dieses Jahres ganz besonders eindringlich erfahren durfte, als meine Tochter und ich auf einer sehr großen Wanderung halb Italien durchliefen und dabei durch sehr viele Dörfer kamen, tote Dörfer, halbtote Dörfer, (noch) einigermaßen lebendige Dörfer. Einmal sagte uns der Bürgermeister eines „Dorfes“, durch das wir die längste Zeit geirrt waren auf der Suche nach einer Seele, die uns hätte den Weiter-Weg weisen können, bis wir uns letzten Endes ins Rathaus „flüchteten“, wo auch wir auch tatsächlich ein wenig Leben  vorfanden, wenn auch nicht viel, der Bürgermeister persönlich kam also geeilt, um uns, Besucherinnen aus der Außenwelt, einen Heizkörper und einen Kaffee anzubieten, und von der traurigen Geschichte seines und vieler anderer Dörfer zu berichten: „Prima chiude il negozio, poi chiude il bar, e poi chiude il paese“. So ist das wohl, dass nämlich ein Dorf zwei Dinge braucht, um am Leben zu bleiben: Einen Laden, und ein Gasthaus.

Weshalb es zweifelsohne ein sehr hübscher Gedanke ist, wenn unsere Landesregierung jene „Nahversorgung“ unterstützen will, die gut und gerne auch „Dorfleben“ heißen könnte. Einzig ist vielleicht fraglich, ob die Summen, die zur Verfügung stehen, auch ausreichen  und vor allem, ob sie lange genug hinreichen werden. Einerseits. Andererseits denke ich mir manchmal, „hemmt“ das Manna „Landesförderung“ vielleicht gar die Südtiroler Menschheit in ihrer Entwicklung, lässt Kreativität und den Willen zur Selbsthilfe gar nicht erst recht aufkommen. Andere Weltgegenden sind da weniger verwöhnt, und umso erfindungsreicher, aber auch gewillt, sich mit vereinten Kräften für ein gemeinsames Ziel zu engagieren: http://www.zeit.de/2010/29/Dorf-Versorgung-Kaufhaeuser/komplettansicht. Wenn ich das so lese, diese und andere, sehr ähnliche Geschichten, dann will mir doch glatt scheinen, dass ein gewisses südländisches Phlegma uns durchaus nicht fremd ist, wenn wir stets erst Mal Ausschau halten, ob’s denn was zu holen gibt, vom Land, bevor wir uns in Bewegung setzen.

Aber womöglich irre ich mich ja. Und noch ist ja nicht aller Tage Abend. Und vielleicht braucht’s ja nur den „Schubser“ von der Landesregierung, damit uns Normalos vielleicht bewusst wird, dass jedenfalls weniger fast immer mehr ist, oft sogar noch viel mehr, als auf den ersten, zweiten und gar dritten Blick ersichtlich ist. Und dass wir vielleicht auch selbst mal schauen könnten, was wir dazu tun können, um unsere Dorfläden am Leben zu erhalten.

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