Von Banken und Innovationswilligen

Die Frau – eine schöne Frau, in den besten Jahren, sehr gepflegt und offensichtlich erfolgreich, was halt landläufig darunter verstanden wird, nicht wahr – sah ziemlich ratlos aus, und ein bisschen verletzt, wie sie dasaß, den Kopf schüttelte, ihre Hände in einer fragenden Bewegung gen Himmel öffnete und in die Runde erzählte, wie sie bis nach Rom gefahren war, um sämtliche Genehmigungen und Erlaubnisse zusammen zu bekommen, für ihr neues (innovatives) Unternehmen, und sie verstehe heute noch nicht, wie die von der Bank wissen wollten, dass das nichts werden würde, mit ihrer Geschäftsidee, und die Finanzierung versagten. So wurde auch tatsächlich nichts daraus, und bestätigte sich einmal mehr die alte Wahrheit, dass Banken nur denen geben, die schon haben, im vielfachen Sinne, aber letzteres ist, zugegeben, nur so eine Idee von mir.

Nur wenig später berichtete ein Bekannter, der selbst auch ein Unternehmen starten möchte, und zwar auch ein innovatives, (noch) nicht so oft da gewesenes, und auch er erzählte, weniger ratlos als frustriert und verärgert, dass seine Vorsprachen bei den Banke(r)n nie weiter kämen als bis zu einem freundlichen Das-wird-nix-mein-Lieber-Schulterklopfen.

Mir fiel dann ein, dass ich meinen Bankberater einmal gefragt hatte, ob sie als Bank denn Business-Pläne erstellen würden – sie machen ja sonst alles, von der Versicherung über PC-Verkäufe und Telefonanbindungen, denn mir schien das damals gar nicht so unlogisch, dass Banken eigene Bewertungsmodelle entwickelt haben könnten, wollen sie doch darüber befinden müssen, ob eine Unternehmung auf dem Markt eine Chance haben könnte oder nicht. Banken sehen die Dinge ja bekanntlich und wie schon gesagt anders als der Rest der Welt, und so könnte ihre fundierte Bewertung ja doch einen gewissen Sinn haben.

Doch davon hielt mein Bankberater nichts, weil „davon verstehen wir nichts“ (wörtlich). Was ich wiederum witzig fand, denn wie will einer, der nichts versteht von einer Sache, darüber urteilen ob sie gut ist oder nicht?

Die Sache ging mir nach, wie’s bei uns so schön heißt, und ließ mich nicht mehr los. Ja, und dann fiel mir ein, dass Banken in eigener Sache – ob sie sich dabei an Vorgaben orientieren (müssen) oder frei entscheiden, entzieht sich leider meiner Kenntnis – ja sehr konservativ und auf Sicherheit bedacht sind, und also vermutlich nur solche Unternehmen/Dinge/Ideen finanzieren, die meist schon bestehen und erfolgreich sind – woran sonst sollen sie sich schließlich orientieren? Mit der Folge, der wahrscheinlich zwingenden Folge, dass die Banken, auch die kleinen, lokalen Banken, die Heimat- und Wegbereiterbanken, nur bereits etablierte und erfolgreiche Konzepte finanzieren, also gewisser- und gezwungenermaßen „Blasen“ fördern, die dann irgendwann platzen (müssen), wie sich ja übrigens immer wieder mal zeigt, (auch) im kleineren Rahmen.

Oder anders ausgedrückt: Banken haben kein „Risikokapital“ zu vergeben, oder wollen keines vergeben, sie „streuen“ nicht, nicht wirklich jedenfalls, was sehr schade ist, weil auf diese Weise eine alternative Wirtschaftsszene, die durchaus, warum nicht, wissen tut man’s erst, wenn man’s probiert hat, sehr viel Potential hat und die jedenfalls in gesamtgesellschaftlicher und auch, wenn man’s genau nimmt, in sozialer Hinsicht mehr als nur eine Berechtigung hätte, dass die also auf der Strecke bleibt und Null Chance hat, zu entstehen oder gar sich zu entwickeln.

’s ist also nicht wirklich um die Heimat, und um die Entwicklung der Wirtschaft, um die es ihnen geht, den Banken, habe ich mir halt so für mich gedacht, sondern vielleicht doch eher um eine gewisse Wirtschaft, die, die eh schon auf soliden (!) Beinen steht und sich eigentlich selber sollte finanzieren können. Es ist ja übrigens auch wirklich witzig, dass denen mit hohem Rückzahlungspotential die niedrigsten Zinssätze, und den anderen, den Kleineren mit niedrigerem Rückzahlungspotential, die höchsten angerechnet werden. Also jetzt mal aus Hausfrauensicht: Noch unlogischer und wirtschaftsfeindlicher, insgesamt betrachtet, natürlich, (aber um die Gesamtheit geht’s ja nicht wirklich, gell?!), geht nun wirklich nicht, finde ich.

Also, ich wäre ja dafür, dass die Banken weniger protzige Paläste bauen (braucht kein Mensch, ist längst überholt, seit die Bankschalter in den Handys und PCs sitzen, und sogar die so genannten Entwicklungsländer uns  in gewisser Sicht weit voraus sind, das ist doch nachgerade bedrückend, wie hierzulande die edlen Bankbunker aus dem Boden schießen wie die Pilze, derweil draußen in der Welt die Bankfilialen geschlossen und ins Internet verlagert werden, ob wir wieder mal ein bisschen langsamer sind als der Rest der Welt?!) und dafür innovative Klein(st)-Unternehmen mit Risikokapital und niedrigen Zinsen beschicken, zur Ankurbelung der regionalen Wirtschaft und Arbeitslosenbekämpfung. Ich wäre mal neugierig, wie viele innovative Geschäftsideen aus Schubladen und Gehirnwindungen gekramt würden, bei welcher Gelegenheit sich auch gleich zeigen würde, wie hoch der Wirtschafts-Ver- und Behinderungsfaktor der „klassischen“ (Banken-)Wirtschaft ist.

Wäre doch spannend(er), oder?!

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