Ich wollte eigentlich damit anfangen, zu erzählen, was mich an bzw. in diesem Text („Nicht auf den Schoß nehmen“, Süddeutsche Zeitung Magazin) heute stutzig gemacht hat. Aber jetzt fange ich doch lieber beim Umfeld an – denn das ist auch recht interessant und verleitet zum Nachdenken, über Dinge und Situationen, die ziemlich neu sind und also teils recht heftiger Denk-Umkehrschwünge bedürfen.

Denn in dem Artikel geht es um junge Männer, die den Beruf des Erziehers gewählt haben, und also um die klassische und gewohnte „Kindergartentante“, aber in emanzipiert weil in männlicher Form. Das ist gewöhnungsbedürftig, gewiss, aber es geht doch ein bisschen sehr weit, finde ich, mit den Anpassungsstörungen der Eltern, wenn sie in diesen jungen Männern mir nichts dir nichts und einfach so verkappte Pädophile vermuten, als sei das gar nichts. Ich glaube, das würde ich – wäre ich denn einer dieser jungen Erzieher -, nicht so einfach hinnehmen. Allein ein solcher Verdacht kann einem Menschen ganz schön zusetzen, finde ich, da sollte man schon SEHR vorsichtig sein, mit Vermutungen, und mit Anspielungen sowieso. (Auch wenn ich, zugegeben, das komische Gefühl, das sich anschleicht, bei „männlicher Erzieher“, schon nachvollziehen kann.)

Wir sind alle ein bisschen hysterisiert, fürchte ich, in diesen Belangen, und laufen Gefahr, „das rechte Maß“ zu verlieren. Kopf einschalten könnte helfen, denke ich mir, wenn der Bauch allzu (vor-)laut wird.

Das war es aber nicht, was mich stutzig gemacht hat (es hat mich nur nachdenklich gemacht), sondern vielmehr dieser Absatz hier:

Es ist nicht leicht, Jungs für den Job zu gewinnen. Er ist dramatisch unterbezahlt, Kinderpfleger verdienen zwischen 1500 und 2100 Euro brutto im Monat. Der Job bietet, abgesehen von der Aussicht auf eine Kita-Leitung, kaum Aufstiegschancen. Dass der Beruf des Erziehers attraktiver werden muss, geben sie sogar beim Familienministerium zu. Zitat aus einer Broschüre des Ministeriums: »Die drei- bis fünfjährige unbezahlte Ausbildung für den Beruf ist alles andere als attraktiv. Auch das ist ein Grund, warum besonders Männer sich gegen diesen Beruf entscheiden. Gerade angesichts des enormen Stellenwerts dieser Ausbildung für die Gesellschaft muss hier nachgebessert werden.

Wie muss ich das jetzt verstehen, frage ich mich? Verdienen männliche Kinderpfleger etwa weniger als weibliche Kinderpflegerinnen? Schwer vorstellbar (wir wissen vielmehr, dass es umgekehrt ist, nämlich dass Männer bei gleicher Leistung und gleicher Eignung mehr verdienen als Frauen, aus dem einfachen Grunde und nur, weil sie Männer sind…).

Nein, dieser Erklärungs- bzw. Deutungsversuch überzeugt (mich) nicht. Weshalb ich’s mit dem nächsten und letzten versuche (denn weitere  fallen mir auch beim besten Willen nicht ein):

Könnte es sein, dass für männliche Kinderpfleger nicht (gut) genug ist, was für weibliche Kinderpflegerinnen (gut) genug sein muss(te, viele Jahre)? Wäre es denkbar, dass diesen Leuten in jenen Ministerien erst jetzt – wo Männer anfangen, sich für das Berufsbild zu interessieren – auffällt, dass der Beruf schlecht bezahlt und die Ausbildung unattraktiv ist und überhaupt: dass er „in der Gesellschaft“ nicht die Anerkennung erfährt, die ihm gebührt?

Ich mein‘ ja nur: Wir Frauen sind ja einiges gewohnt, und nicht verwöhnt, in dieser und noch ein paar Hinsichten, aber das wäre jetzt doch ein bisschen gar heftig, und jedenfalls mehr als nur ein Hinweis, dass alle, die da meinen, Gleichstellung und Gleichberechtigung seien doch längst erreicht, auf einem – wenn auch bequemen und prächtig ausstaffierten – Holzweg wandeln.

Aber vielleicht irre ich mich ja, hoffentlich, doch.

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