Es war ein Kommentar, ich kann ihn leider nicht wiederfinden, eines Users unter einem Text, den ich leider auch nicht wiederfinden kann, der die Sache mit den „Fließenden Grenzen“ in meinem Kopf in Bewegung setzte. Ich erinnere mich, dass der Kommentator ein wenig verbittert und sehr frustriert, so schien es mir, davon berichtete, dass ja schließlich (ich glaube) fast 75 Prozent der Dolomiten, mit denen Südtirol sich international brüstet und hervortun will, zu Belluno gehören, dass aber just dieses Belluno von Südtirol mehr oder minder gesnobt wird.

Es scheint ein gewisses gespanntes Nicht-Verhältnis zu bestehen, zwischen Südtirol und den angrenzenden Provinzen und Regionen, zu jenen jedenfalls, die nicht dem so genannten „alten Tirol“ bzw. der jüngeren „Euregio“ angehören. Darauf will ich aber hier nicht eingehen. Die Thematik – und die Provinz -, ist mir (noch) gar zu fremd, was ich übrigens doppelt interessant finde, hatte doch eine meiner Großtanten sich nach dort verheiratet, und hatte ich sogar mal einen Lover aus jener Gegend gehabt, der dann immer durch das Abteital gefahren kam. Trotzdem ist mir die Region fast schon unheimlich fremd. Der Vater meiner Tochter arbeitet übrigens gerade an einem Stück Dolomit, „aus den Belluneser Dolomiten“, wie er sagte, mit einem fast ehrfürchtigen Unterton, beinahe, als sei das ein besonderes Qualitätsmerkmal. Das hat mich gestern noch zusätzlich nachdenklich gemacht.

Aber was ich eigentlich sagen wollte ist, dass über diesem Klagen jenes Nutzers ich mir überlegte, dass „Grenzen“ in einem grenzenlosen Europa (Südtirol), aber auch überhaupt und grundsätzlich, doch besser anhand von Sachkriterien gestaltet werden sollten, weil sie es doch schließlich sind, die das Leben der Menschen bedingen, sehr vielmehr als die „üblichen“ Grenzziehungskriterien, als da wären Sprache/Geschichte/Kultur/Kriege u. dgl. mehr.

Zum Beispiel, stelle ich mir vor, könnte der Dolomitenraum eine Verwaltungseinheit bilden, was unter anderem zur Folge hätte, dass die Menschen in diesem Raum sehr viel einfacher, sehr viel effizienter und sehr viel sparsamer zusammenarbeiten, Synergien schaffen/nutzen und voneinander lernen könnten. In den Dolomiten haben sich – naturbedingt – ähnliche bis gleiche Lebens- und Wirtschaftsweisen herausgebildet, und zwar gänzlich unabhängig davon, innerhalb welchen Sprach- oder Kulturraums die jeweiligen Gruppen sich entwickelt haben, und natürlich in noch viel höherem Maße unabhängig davon, welchem nationalem Raum sie zugeordnet worden waren.

So müsste also, um beim Beispiel „Europaregion Dolomiten“ zu bleiben, ein für diese ganze Region einheitlicher Kriterienkatalog erstellt werden, der das Leben ihrer Bewohner in allen Facetten regelt, und das heißt, um nur ein paar wenige Beispiele zu nennen

  • wo und nach welchen Richtlinien Häuser wie gebaut werden (dürfen) und wo nicht;
  • nach welchen Kriterien die verschiedenen Wirtschaftssektoren funktionieren;
  • welche Bauern warum und wie unterstützt werden
  • welche Regionen nach welchen Kriterien wirtschaftlich erschlossen werden können und welche nicht
  • Schulwesen

und was sonst noch alles dazu gehört, zum Leben einer Bevölkerungsgruppe innerhalb eines bestimmten Raumes mit ähnlichen bis gleichen Rahmenbedingungen.

Wenn ein solcher einheitlicher Kriterienkatalog bestünde, dann wäre es völlig einerlei, in welchem Dorf oder welchem Weiler – um ein beliebtes Beispiel heranzuziehen – ein Mensch lebt und bei welchem Amt er ansuchen will um die Erlaubnis, auf seinem Dach eine Gaube anzubringen. Er könnte sich nach links oder nach rechts und genauso gut nach Süden oder nach Norden wenden, grad, wohin es ihm beliebt, weil hier wie dort dieselben Regeln gelten.

Unterhalb einer gewissen Größe könnte vielleicht daran gedacht werden, die jeweiligen Entscheidungen dem Augenmaß der kleinsten „regulierenden“ Einheiten“ im Sinne des Kriterienkataloges zu überlassen, womit sich vielleicht sogar ein gewisses (minimales)  „Konkurrenzdenken“  unter den Einheiten schaffen ließe, was letztendlich dem Bürger zugute käme. Das kundenorientierte Denken und Handeln in Ämtern und Behörden lässt ja leider immer noch viel zu oft sehr zu wünschen übrig.

Einer solchen „Europaregion Dolomiten“ wäre wiederum eine nächstgrößere Region, wie z. B. „Alpen“ (mit einem entsprechenden Gestaltungskatalog) und dieses wiederum im nächsthöheren Gestaltungskonzept, z. B. „Berge“ vorgeschaltet, und die jeweils kleinere mit der jeweils nächsthöheren Einheit verbunden und koordiniert.

Gänzlich unabhängig davon könnte – nach demselben Prinzip – zum Beispiel (und weil das bei uns ein großes Thema ist), ein Kriterienkatalog „Sprache“ gestaltet werden… womit ich aber leider für heute an meine „technischen“ Grenzen und mein abstraktes Vorstellungsvermögen gestoßen wäre: Wäre es problematisch, und wenn ja, wie sehr, wenn z. B. ein und derselbe Mensch einerseits einer „Europaregion Dolomiten“ gehörte, andererseits einem „Deutschsprachigen Europaraum“, mit einem Kriterienkatalog, der diesen Sprachraum gestaltet und regelt?

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