Ich habe neulich zum ersten Mal davon gehört: Es gibt in Schweden eine feministische Partei, und die hat, man höre und staune, bei den Europawahlen etwas mehr als fünf Prozent „abgestaubt“. Die Schweden sind uns ja in vielen Dingen voraus, sie scheinen – im Vergleich zu uns – eine recht fortgeschrittene Gesellschaft zu sein. Jedenfalls ist die von der Feministischen Partei und ihrem stolzen Wahlergebnis doch mal eine gute Nachricht, finde ich,  in einer Welt, die nicht nur optisch von Krawatten und grauen Anzügen dominiert wird, und habe mir anschließend noch gleich mitgedacht, dass wir hier so etwas ja vielleicht auch ganz gut gebrauchen könnten.

Ich stelle mir vor, einen Ort, an dem sie alle zusammen kommen, die Frauen, die blauen die gelben die grünen die roten, die mit und die ohne Konfession, jene mit und jene ohne Familie, die jungen und die alten, die in Farbe und die Blassen, die Lauten und die Leisen, und überhaupt alle, wie sie halt mal sind und was sie halt mal wollen, und sie beraten und sie streiten und sie einigen sich über die Sache der Frau, und sie arbeiten daran, sie alle zusammen, dass sie  – endlich, denn Zeit wär’s schon längst – eine bessere werde, für die Frauen, für sich selbst und für die anderen, für die, die schon sind, und für die, die noch kommen werden.

Ich stelle ihn mir vor, diesen Ort, wie einen Ort, der mal laut ist und mal leise ist, grad so, wie Frauen halt sind, mal stürmisch und mal sanft, immer emotional und selten banal, lieber bunt und kreativ als grau und analytisch, und ich denke ihn mir wie einen fröhlichen und einen warmen Ort, an dem gelacht wird und auch mal geweint, wenn’s sein muss, und am Ende einigt man sich darauf, was das Beste ist. Für alle.

Denn im Grunde geht’s doch für jede Frau, sei sie nun so oder anders, um ein und dasselbe: Darum, dass in einer männlich gedachten geprägten gestalteten geführten und regierten Welt endlich! auch dem Wesen der Frau und ihrer Art die Rolle, der Platz, die Achtung und die Wertschätzung zugestanden werden, die ihr, per Gesetz und per Natur, zustehen.

Schau mal hier, zu TTIP bei Anne Will, wie mit den Frauen umgesprungen wird. Das ist übrigens, sei versichert, überall so, und jedenfalls überall dort, wo es nicht um „typisch weibliche“ Themen geht wie Schule, Familie, Pflege und also Themen, die Männer als nicht system- und machtrelevant betrachten und die sie der weiblichen Hälfte der Gesellschaft also gewissermaßen „zugestehen“ (das ist aber wie das Stück Fleisch, das der Einbrecher dem Wachhund vorwirft, um ihn zu betäuben). Wo es anders zu sein scheint, beruhige man sich: Die alleinige Anwesenheit, das physische Da-Sein von Frauen besagt noch gar nichts, auch nicht die eventuelle Tatsache, dass sie sich einbringen (dürfen): Es geht darum, wer das „Gespräch“ (auch im weiteren, weitesten und im übertragenen Sinne) beherrscht, wer die Regeln aufstellt, und darum, wer den Ton angibt.

Es ist, wohin man auch schauen mag, ein Verdrängungskampf der heftigeren Art. Und es ist ein Kampf, den wir Frauen nicht gewinnen werden, nicht gewinnen können, nicht einmal im Sinne eines fairen „Unentschieden“, aus dem einfachen Grunde, dass wir überall dort, wo’s um die wichtigen Dinge geht – und also um die wichtigen Dinge auch für unser Leben, denn das scheinen wir gern zu vergessen – in der Minderheit sind, und dass diese Minderheit zwar, wie gesagt, physisch präsent ist (sein darf), sich mit ihrer Art und Sicht auf die Dinge und die Welt kaum je wird durchsetzen, aber vor allem: sie niemals wird umsetzen können.

Denn es bringt uns alle nicht weiter, und es ist nicht Sinn der Gleichberechtigung und der Gleichstellung, dass sich Frauen quasi zum Manne machen müssen, wenn sie „aus der Küche raus wollen“.

Insofern ließe ich eine feministische Partei (bitte! Mehr Emotionen in Farbe!) – in der selbstverständlich auch Männer herzlich willkommen sein sollten, so sie sich mit den feministischen Idealen identifizieren können/wollen – nicht nur eine ausgezeichnete Idee, sondern vielmehr eine akute Notwendigkeit sein: Was sich entwickeln, was sich stärken,  was wachsen und sich vermehren soll, braucht voraussetzend und zwingend gute Bedingungen in einer gewogenen Umgebung.

Die sind aber leider keineswegs gegeben, sondern müssen im Gegenteil die wenigen Frauen, denen die Lust, sich zu engagieren, nicht schon längst „abgekauft“ wurde, zusehen, dass sie in den männlich dominierten Biotopen nicht ersticken. Die meisten Frauen haben unter den gegebenen Umständen eh keine Lust,  sich einzubringen, was wiederum zur Folge hat, dass Männer frei mit dem „Argument“, Frauen „interessierten sich nicht für diese Dinge“, in ihrem eigenen Sinne, als da wäre die Beibehaltung der absoluten Macht – hantieren und operieren können.

Und schon beißt sich die Katze in den Schwanz, mit der Folge, dass immer weiter alles bleibt, wie es immer war.

Dafür haben aber unsere Vorgängerinnen nicht gestritten, gelitten und gekämpft.

 

2 Kommentare

    1. Danke! (Da sollten wir doch mal die Frau Stocker fragen, ob sie nicht so etwas oder etwas sehr Ähnliches anschieben möchte, für unser kleines Land 🙂 Ein typisches Südtiroler Weibele wird’s dann halt sein müssen, denke ich mir, damit nicht nur die Südtiroler Frauen, sondern auch die Touristiker und Markenexperten zufrieden sind 😉 (à propos: du könntest ja vielleicht schon mal eins entwerfen, damit’s dann schnell gehen kann 😀 ?!

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