Die Geldangelegenheiten der Volksvertreter

Ehrlich gesagt, ich persönlich finde es einfach nur noch ärgerlich, es nervt, und zwar heftig, a) dass und b) wie alle unsere Medien seit Monaten nur noch von den Geldangelegenheiten der Politiker, der jetzigen und der einstigen, reden. Ich habe, ich geb’s ja zu, keine Ahnung, wie viel eine Politikerin und warum verdienen kann, wie viel sie verdienen soll und wie viel sie verdienen darf. Es interessiert mich auch nicht sonderlich – sehr wohl aber interessiert mich, woran die Volksvertreter arbeiten, wie sie daran arbeiten, welche Erfolge sie erzielen, wer davon profitiert und warum.

Wie gesagt, ich verstehe nichts von der Materie, und habe wenig Lust, mich damit auseinander zu setzen um mir eine Meinung zu bilden. Urteil geht natürlich gar nicht.  Ich weiß aber auch nicht, ob Bürgerkomitees oder Facebook-Gruppen die Richtigen sind, das Problem zu lösen – irgendwie schwingen da immer ein paar Mistgabeln mit, und ich weiß nicht wirklich, wie gut es sich damit denken und überlegen lässt. Ob die Politiker selbst die Richtigsten sind, den gordischen Knoten ihrer eigenen Rente, Pension, Entlohnung und was da sonst noch alles im Topf brodelt, zu zerschlagen, weiß ich allerdings auch nicht. Wer sonst aber soll’s denn tun? Ich meine, die entscheiden über viele Dinge, von denen sie selbst betroffen sind und aus denen sie Vorteile ziehen (könnten) – ich fürchte also, das Problem ist im Grunde weniger der Lohn oder die Rente und anderes mehr in diese Richtung, als vielmehr die Tatsache, dass die Volksvertreter das Vertrauen der Bevölkerung verspielt haben, und zwar schon längst bevor dieser Südtiroler Skandal aller Skandale ans Tageslicht flog.

Aber da sind noch ein paar mehr Fragen, die mich beschäftigen, zum Beispiel die hier: Ist es korrekt, aus der heutigen, krisenüberschatteten Perspektive über Dinge zu urteilen und zu befinden, die geschahen, als es fast allen oder den allermeisten und jedenfalls dem Land Südtirol sehr gut ging, besser gar als den meisten Ländern rund um es herum, denen es ja übrigens auch ziemlich gut ging?! Dass es unter der glänzenden Schicht schon damals heftig stank, interessierte ja auch niemanden, und wie sich die Leute ihre Gehälter dachten und machten, genauso wenig. Es ging ja allen gut, da wird nicht so genau hingeschaut. Warum dann also jetzt, und so heftig?

Ich persönlich würde mir ja wünschen, die Politiker und überhaupt alle Menschen, die meinen, sich überdurchschnittliche Entlohnung zu verdienen (!), würden einfach nur einen ausgezeichneten Job erledigen, sodass sie selbst, vor allem aber  ihre Brotgeberinnen die stolzen Löhne auch als gerechtfertigt empfinden. Denn darum geht’s doch, finde ich, in Wahrheit: Dass die Summen, die da auf den Gehaltslisten stehen, den tatsächlichen Leistungen nicht wirklich entsprechen und jedenfalls in keinem Verhältnis stehen zu ihnen. Das wird aber auch nicht besser, wenn die Entlohnung knapper wird.

Wie gesagt, mir persönlich wär’s lieber, dass gut gearbeitet und viel geleistet wird. Dann kann auch gern ordentlich bezahlt und sogar das eine oder andere Privileg zugestanden werden, meine ich.

Ich habe übrigens neulich einen Artikel gelesen, auf SPON, da ging’s auch um Diäten und darum, ob die höher sein dürfen als bisher oder nicht, wenn auch für die deutschen Abgeordneten, und ich muss gestehen: Der Text bzw. die Idee hat was, in seiner grundsätzlichen Strömung, denn natürlich ist mir klar, dass die Arbeit einer bundesdeutschen Abgeordneten nicht mit der eines Südtiroler Landtagsabgeordneten vergleichbar ist, immerhin aber ist der so genannte Kontext der gleiche. Ziemlich interessant fand ich dann auch einen User-Kommentar – die sind ja oft interessanter als die Artikel, zu denen sie kommentieren – der für höhere Abgeordneten-Gehälter plädierte, weil „wir sonst immer von Beamten regiert werden“.

Aber da fällt mir ein, denn gerade schob sich das große Deutschland mit seinen vielen Abgeordneten vor mein geistiges Auge, und daneben stellte sich das  kleine Südtirol: Könnte denn nicht, beispielsweise, die Zahl der Bürger, die regiert wird, der Berechnung des Abgeordnetenlohns zugrunde gelegt werden? Als Grundlohn, gewissermaßen. Dazu gibt’s dann noch einen Bonus, für jede Sitzung, bei der der Abgeordnete anwesend ist, und einen weiteren, für jedes Gesetz, das sie angestoßen hat und das genehmigt wurde, undsoweiterundsofort. Leistungsprämien für PolitikerInnen – warum eigentlich nicht?

Derweil aber da draußen diese hässliche und zerstörerische Neid-Debatte im Gange ist und einfach gar nicht aufhören will. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es sich um die „empört rechtende“ oder vielleicht doch eher um die „feindselig schädigende“ Neidvariante handelt, die scheinbar ganz Südtirol im Griff hat, schon seit Monaten. Ganz sicher aber bin ich mir, dass es sich in keinem Fall und zu keiner Zeit um die einzig positive Neid-Kategorie, als da wäre: die ehrgeizig-stimulierende, handelt. Und noch ein Neid-Problem verorte ich in dieser „Debatte“, nämlich „die verengte Perspektive des Neidischen“ (alle Neid-Zitate stammen aus diesem Text).

Aber noch etwas beschäftigt mich: Wer macht eigentlich unserem Landeshauptmann die Haare, für seine öffentlichen Auftritte?

Nachtrag und wie zur Bestätigung, dass jetzt wohl ganz Südtirol zu Buchhaltern mutiert, samt negativer Begleiterscheinungen, wird die Frage, was der Besuch Renzis auf Schloss Prösels kostet, zur Über-Frage hochgespielt. Ich überlege ja schon, ob das alles noch Aufklärung im Sinne von Transparenz ist, oder schon Populismus?! Ich meine ja nur – es kann nun wirklich nicht alles aus dem Kosten-Blickwinkel betrachtet und auf diesen heruntergebrochen werden. Dass sorgsam gewirtschaftet werden muss, ist eh klar – aber man’s auch übertreiben 😦

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