Ich hatte neulich wieder einmal Gelegenheit, Eva Klotz zu beobachten, ich glaube, in einem Themen-Duell im TV, und war – wie fast immer – am Ende ratlos, weil diese Frau in mir stets zwei einander aufs heftigste widerstrebende Gefühle auslöst: Auf der einen Seite Ärger und Widerwillen, weil ich ihre Reden um „Südtirol ist nicht Italien“, „so lange wir bei diesem Staat Italien sind“ usw. usf. einfach nur kindisch, aus der Zeit gefallen, unpassend und zerstörerisch finde. Ich fühle mich davon kein bisschen angesprochen, und würde mich gern fremdschämen dafür.

Das will mir aber nicht recht gelingen, das Fremdschämen in Sachen Eva Klotz, denn da ist noch die andere Seite der Frau Klotz, die, für die ich sie bewundere, wie ich alle Leute bewundere, die kerzengerade, ohne Rücksicht auf Verluste und vor allem ohne opportunistische Seitenblicke nach hier oder nach da: einfach nur ihr Ding machen. Zu dieser höheren Kategorie Mensch gehört, in meinen Augen, auch Eva Klotz, und also kann ich gar nicht anders, als meinen imaginären Hut  ziehen vor ihr.

Neulich aber, bei jenem TV-Duell, ist mir klar geworden, dass noch etwas anderes ist, an dieser Frau, etwas, das sie den meisten anderen Frauen und auch erklärten Feministinnen voraus hat: Wann immer sie auftritt, und wo immer sie spricht, tut sie das so schlicht wie kompetent und also über die Maßen elegant. Diese Frau weiß ganz einfach, wovon sie spricht, und sie weiß, was sie sagt (aber vielleicht spricht sie ja auch nur, wenn sie sich ihrer Sache sicher ist.).

Das hat zur Folge (zumindest glaube ich das), dass sich die eine, große und gesellschaftspolitisch überaus relevante Frage überhaupt nicht stellt bei Eva Klotz, nämlich die Frage nach ihrem Geschlecht (was ihrer Weiblichkeit aber nicht den geringsten Abbruch tut). Eva Klotz ist einfach nur sie selbst, und ein sehr kompetentes Selbst, in ihrer Sache und bei sich zuhause. Da, habe ich mir gedacht, da wollen wir doch eigentlich hin, wir Feministinnen und wir Frauen, an den Punkt, an dem Frau Klotz schon längst angekommen ist – dort, wo der Mensch spricht und zählt, und das, was sie kann und ihr Geschlecht ganz und gar nebensächlich und jedenfalls kein Thema ist.

2 Kommentare

  1. Warum sind die Aussagen von Frau Klotz denn laut Ihnen „kindisch, aus der Zeit gefallen, unpassend und zerstörerisch“?
    Das stimmt doch alles nicht! Vor allem nicht dass ihre Idee von Unabhängigkeit und Selbstbestimmung aus der Zeit gefallen sei.
    Haben Sie sich, Frau Rier, jemals mit anderen Völkern und Regionen in Europa beschäftigt oder ist ihr kleinkariertes Denken nur auf die ach so heilige „Provinz Bozen Südtirol“ beschränkt?
    In Europa sind längst zahlreiche Völker auf dem Weg Richtung Selbstbestimmung, Katalonien und Schottland werden bereits in diesem Jahr abstimmen! Warum also ist Frau Klotz aus der Zeit gefallen??? Oder sind doch Sie es, die einer politischen Weiterentwicklung negativ gegenüber stehen? Südtirol kann und soll doch nicht immer stehenbleiben, wenn sich ganz Europa bewegt, oder?

    1. (Ich sag du, das ist doch in Ordnung, oder?!). Ja, ich habe mich – in Maßen – mit anderen Völkern und Regionen beschäftigt, ich kann’s beweisen 😉 und setze mal einen Link hier rein. „Zerstörerisch“ aus genau den Gründen, die im Text so plastisch beschrieben werden. „Kindisch“, weil es ein stures Beharren auf einer Idee ist, von der sich schon längst gezeigt hat, dass sie nicht alltags- und in der Bevölkerung keineswegs mehrheitstauglich ist, nicht einmal unter der deutschprachigen. Das sollte doch nachdenklich machen, findest du nicht? Was ich gewissermaßen sogar verantwortungslos finde, ist, dass – vor allem – der Jugend vorgegaukelt wird, sie engagiere sich für eine Zukunft(svision), derweil es doch „nur“ darum geht, die Vision einer Vergangenheit (die im übrigen nur wenige „wiederhaben“ wollen) aufrecht zu erhalten. Ich hänge sehr an meinem Land – an dem, das heute ist, an dem, das es geworden ist – ja, auch aufgrund seiner Geschichte und der Herausforderungen, die sie ihm auferlegt/e. Das Ergebnis ist einfach toll. Dieses Ergebnis weiterentwickeln? Jederzeit. Rückwärts laufen? Weniger spannend. Nostalgie ist einfach nicht zukunftsfähig, meine bescheidene Meinung. Und hier der Link wie oben: http://silviarier.wordpress.com/2014/06/05/nationalismus-hat-viele-masken/

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