Darüber grüble ich jetzt schon ein ganzes Weilchen: Eine Bekannte hatte mir davon erzählt, wie ihre (ich glaube) zwölfjährige Nichte vor einem besonders schönen Teilchen im Schaufenster eines Juweliers folgenden Satz tat: „Da werde ich aber einen SEHR reichen Mann heiraten müssen, wenn ich je so etwas Schönes besitzen will“. So gesagt und geschehen im Jahre 2014.

Ja, so schaut’s aus, im fortgeschrittenen Europa, im modernen Südtirol.  Aber es sollte uns nicht wundern, wird doch unseren Mädchen alleweil und von allen Seiten suggeriert, dass eine Frau ihr Leben vorrangig a) der Ehe und b) Kindern zu widmen habe. Es war bestimmt kein Zufall, dass ich kurz vor dem Muttertag (*) in einem kleinen Zeitungsartikel las, die Arbeit der Mütter müsse doch endlich anerkannt werden, zumindest mit ein paar Rentenjährchen. Ja,  tatsächlich, ich finde auch, die Arbeit der Mütter muss endlich honoriert werden, aber: Sie müsste schon konkreter/kräftiger honoriert werden als mit ein paar Rentenjährchen, vor allem, wenn eh kein Mensch weiß, ob es überhaupt je eine Rente – und falls ja, welche – geben wird. Ja, die Arbeit der Mütter sollte honoriert werden, aber doch bitte unabhängig davon, ob die Frau dafür ihren Erst-Beruf zurückstellt oder gar aufgibt. Die enorme Leistung einer Mutter wird ja keineswegs geschmälert durch die Tatsache, dass sie dazu auch noch ihren Beitrag zum BIP leistet.

Ja, sie irritiert mich sehr, diese unsere Fixierung auf die Vollzeit-Mutter und überhaupt dieses ungeschriebene, nichtsdestotrotz überaus mächtige Gesetz, dass Frau = Mutter.  In diesem Sinne ist wohl auch zu verstehen, dass immer, wenn es um Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht, die Vollzeit-Mutter und Teilzeit- oder Gar-Nicht-Erwerbstätige aus dem Regal geholt wird, ganz so, als hätten Kinder keine Väter und Frauen keine Berufe, sondern bestenfalls eine Arbeit. Das ist nicht gerecht, meine ich, und auch nicht sehr klug. Denn das junge Mädchen und alle mit ihr, die mit dem „Ernährer-und-Schmuckkäufer-Mann“ (was für eine Last auf dessen Schultern!) rechnen – also auch hohe und höchste Politiker, wenn sie Familienpolitik betreiben – haben überhaupt nicht eingepreist, dass die Ehe schon lange keine Garantie mehr ist, weder auf emotionale noch auf finanzielle Sicherheit.

Und so sind  das Ergebnis dieser unserer vorherrschenden, sehr romantischen (vielleicht aber auch „nur“ von männlich-chauvinistischem Wunschdenken geprägten), leider aber keineswegs zeitgemäßen „Ideale“ gruselige Scheidungs- und Trennungsgeschichten, die meist nicht wegen des persönlichen Kummers eines oder beider Partner/s, sondern wegen Uneinigkeiten oder Unmöglichkeiten bei der finanziellen Ausstattung  der getrennten Familie kein Happy End finden (können). Denn Abhängigkeit ist keine gute Basis, nicht in der Ehe, und nach der Ehe erst recht nicht.

Es wäre also, in Sachen Familienpolitik, höchst ratsam, jungen Mädchen nahezulegen, ihr Leben über eine (beliebige) Arbeit und Heirat hinaus zu denken und  besser gleich einen Beruf zu wählen, einen, bei dem sie gern sind und der, falls es denn gewittrig werden sollte in ihrem Leben, ihre Familie ernähren könnte. Politiker könnten „die Wirtschaft“ ankurbeln, indem sie genügend Kinderkrippen und Kindergärten bereitstellen, und sie könnten Arbeitsplätze schaffen, indem sie diese –krippen und –gärten mit reichlich glücklichen Onkeln und Tanten ausstatten, denen sie zuerst noch eine ordentliche Ausbildung spendieren, vielleicht gar eine mehrsprachige.

Die Französinnen sind uns da schon weit voraus, die arbeiten, und wie, und sehen die Sache ganz pragmatisch: Die Kinder, sagen sie, sind nach wenigen Jahren mehr oder weniger aus dem Haus, und  was, fragen die Französinnen, macht dann die Frau, die sich auf die Mutter geschrumpft hat? Ist für den Rest ihres Lebens arbeitslos. Und da hilft es auch kein bisschen, wenn z. B. ein Herr Pius Leitner und die, die mit ihm gehen, nicht müde werden, zu erzählen, es sei das Beste für Kinder, wenn sie von ihren Müttern betreut werden. Das stimmt einfach nicht (http://derstandard.at/1397522506777/Forscherin-Bindung-hat-nichts-mit-Blut-und-Genen-zu-tun) und es hat noch nie gestimmt: Zu allen Zeiten und in den allermeisten Kulturen war Erziehungs- meist Gemeinschaftsarbeit, die hier der Großfamilie, dort dem ganzen Dorf zufiel. Derweil die Mutter arbeitet/e. Allenfalls könnte vielleicht ein bisschen heftiger daran geschraubt werden, dass endlich auch Männer richtig viel Spaß entwickeln, an der Erziehungsarbeit – sie müsste vielleicht mal aus männlicher Warte aufgewertet werden  -, dass sie darin aufgehen und alles für sie (auf-)geben – wie sie sich das von Frauen wünschen.

Insgesamt lässt mich der Verdacht nicht los, dass es letztlich, ganz unten unter dem letzten Summenstrich, gar nicht so sehr um „die Kinder“ geht (die müssen ja überhaupt für alles herhalten…), sondern sehr viel mehr darum, den Faktor Frau möglichst unter Kontrolle und Verschluss zu halten, indem man (ja!) sie, so gut es geht, in Abhängigkeit hält, direkt oder indirekt, und mehr oder minder subtil. Denn auch die Abhängigkeit von staatlichen oder anderen öffentlichen Zuwendungen ist letztlich eine Abhängigkeit, und Abhängigkeiten sind, ich kann’s nicht oft genug wiederholen, gesundem Selbstvertrauen und Selbstverständnis nicht sehr zuträglich.

Ehe wäre dann nicht mehr zwingend nötig, nicht für die Frau und nicht für den Mann, und es gäbe auch keinen anderen Grund für ein Paar, zusammen zu bleiben als den, dass sie halt mal gern zusammen sind. Jede Wette, die Scheidungsraten würden rapide sinken. Und dort, wo sie das nicht tun – denn wir sollten aufhören, uns Dinge vorzumachen -, würden auch oder gar in erster Linie die Kinder profitieren, wenn die Mama (finanziell, aber auch im Kopf) unabhängig ist und der Papa die Verantwortung für das Sein oder Nicht-Sein der Familie nicht ganz allein tragen muss.

(*) Ich wäre eigentlich dafür, einen Tag der „Frau als Wirtschaftsfaktor“ einzurichten.

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