Es ist jetzt schon ein Weilchen her, da wurde im benachbarten Grödental ein per internationalem Haftbefehl russischer Banker (nicht Bankier!) verhaftet. In einem „bekannten Hotel“, es braucht wahrlich nicht viel Fantasie, sich vorzustellen, auf welchem Niveau der Herr Mafioso Urlaub gemacht hat. So weit, so gut – die Leute in den noblen Hotels können ja wirklich nicht wissen – vermutlich interessiert sie’s auch gar nicht – wie die neue Klientel, die unsere Dörfer und Pisten und noblen Häuser befüllt, zu ihrem Geldhaufen gekommen ist. Das wär‘ ja noch schöner, nicht wahr. Hauptsache, zahlungskräftig, Hauptsache spendabel – anders geht’s ja gar nicht (mehr), im High-End-Südtirol.

Jedenfalls habe ich mir gedacht, der Mann scheint wohl unsere Südtiroler Verhältnisse recht genau zu kennen, wenn er sich traut, als international zur Fahndung Ausgeschriebener, mit seiner wahren Identität Skiurlaub zu machen bei uns, als sei gar nichts, und jedenfalls nicht er der, der wegen schweren Bankraubs – nicht im klassischen Sinne zwar, nichtsdestotrotz durchaus so – gesucht wird.

Und weiter habe ich mir gedacht, dass es wohl nicht lange dauern dürfte, bis sich ein mehr oder minder hoher Funktionärin der Südtiroler Freiheitlichen zu Wort melden wird, mit einer Forderung à la „Weg mit diesem Gesindel“. Erinnert sich noch jemand? Es war im Spätsommer, als einer aus der fremden- und armenfeindlichen Truppe der Südtiroler Freiheitlichen mit diesem seinem *Aufschrei* ein paar Wogen hoch gehen ließ, in Südtirol, leider viel zu wenige und leider nicht immer die richtigen. Es ging damals um einen Schein-Bettler, der aber jedenfalls ein armer Teufel sein dürfte, auch wenn er kein „echter“ Bettler ist, sondern – im schlimmstmöglichen Fall – ein winzig kleiner Gauner, nicht der Rede wert, in einem reichen Land wie dem unseren.

Aber: Nichts geschah, in Sachen größtmöglicher Gauner, oder zumindest habe ich nichts gehört, und das will was heißen, bei den Freiheitlichen & Co., denn man pflegt dort üblicherweise nicht gerade die leisen Töne; kein Wort, kein Laut, und schon gar kein Aufschrei waren zu vernehmen. Ich verstehe das nicht, denn bei dem Ganoven, der neulich festgenommen wurde, sind sogar mehrere Kriterien gegeben, die normalerweise für Aufruhr und Abfuhr sorgen bei den Blauen: Ein Ausländer – Kirgisistan! -, ein Sozialschmarotzer epischen Ausmaßes – 35 Millionen -, und – zu allem Überfluss – wurde er auch noch von der italienischen Staatspolizei dingfest gemacht; da hätte ich mir schon die eine oder andere Kritik erwartet, von den Blauen, und jedenfalls eine entschiedene Aufforderung an die Zuständigen und die höhere Öffentlichkeit, es solle doch dafür gesorgt werden, dass solcherlei Gesindel in Zukunft bitte draußen bleiben möge.

Bei den Blauen also scheint man recht sorgfältig zu unterscheiden zwischen „Gesindel“ und „Gesindel“: Über kleines „Gesindel“ zieht man her, mit Lust und ausgiebig, und setzt sich keinerlei Schranken – weder moralischer noch mit-menschlicher und nicht einmal christlicher Natur, wo doch grade die Freiheitlichen sich so gerne und so ausgiebig auf ihre „christliche Tradition“ berufen.

Bei dem großen „Gesindel“ aber, da traut man sich wohl nicht…  oder kann vielleicht auch nur nicht unterscheiden, zwischen den Kleidern und dem Menschen, der in ihnen steckt.

2 Kommentare

  1. Sehr geehrte Frau Rier. Zu Ihrem tollen Beitrag, „Gesindel,
    solches und anderes“ fällt mir ein Aussspruch Berthold
    Brechts ein, der lautete: „Was ist ein Einbruch in eine Bank
    gegen die Gründung einer Bank“! Aber wie Sie ganz richtig vermuten, sind anscheinend für die Saubermänner(frauen)
    der Freiheitlichen nur kleine „arme“ Gauner, Gesindel . Lg

    P.S.Meines Wissens wurden von diesem „noblen“ Herrn, sogar 35 Mio. und nicht „nur“ 3,5 Mio gestohlen!

    1. Guten Morgen, Franz Waldner,

      schon repariert – herzlichen Dank! Ja, den Spruch von B. B. finde ich auch sehr gelungen – und dabei, denke ich, waren die Banken zu seinen Zeiten noch seriös im Vergleich zu dem, was uns heute ruiniert… Einen schönen Tag noch!

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