Ja! Ja! Ja!

Ja wirklich – schon klar, dass ein halbnackter Jung-Frauen-Hintern sagenhaft viel zu tun hat mit a) Pizzaservice und b) gutem Zweck. Und ja, höchste Zeit, dass von offizieller Seite gegen diese sexistische, allemal unwürdige und jedenfalls dümmliche Art der „Werbung“  vorgegangen wird – schade nur, dass der Gleichstellungschefin Frau Oberhammer die Hände doch ein bisschen sehr gebunden sind und sie nicht viel mehr tun kann, als zu einem Boykott aufrufen und auf die Unterstützung der Medien zu hoffen (!).

À propos Medien: Eine permanente Black-List in den wichtigsten Zeitungen und Zeitschriften – das wäre doch ein großer Schritt.

Die männlichen Reaktionen, will sagen: die schriftlichen und wohl aus gutem Grunde  meist anonymen Kommentare auf die öffentliche Empörung der Frau Oberhammer lassen wenig zu wünschen übrig für die Maschilisten und Chauvinisten dieser Erde, und sind überdies eine harsche Absage an ein modernes, gleichberechtigtes und gleichgestelltes Südtirol. Gar Prüderie wird der Gleichstellungsbeauftragten und allen anderen, die in dieser Art der „Werbung“ weniger solche als vielmehr schäbigste Abwertung der Frau sehen, unterstellt. Aber hallo, gesunde Phantasie und Schönfärberei!

Sex sells – mag sein, aber halt doch nicht immer, nicht überall, und nicht alles. Ein Pizza-Service ist schließlich nicht Pirelli; die haben ja leicht machen mit ihrem Kalender für ihre ziemlich scharf ab- und eingrenzbare Zielgruppe, und ihrem edlen Etat. Im Gegensatz dazu ist aber vermutlich die größere Mehrheit einheimischer Unternehmen, die auf sich aufmerksam machen wollen, ebenso sehr auf männliche wie auf weibliche Kunden angewiesen. Ich denke, nur die wenigsten Frauen werden amüsiert sein und es schätzen, wenn sie mit dem nackten Hintern oder den nackten Brüsten einer Geschlechtsgenossin gelockt werden sollen. Die Frau als Sexobjekt in der Werbung mag ja möglicherweise und unter werberischen Aspekten eine gewisse Berechtigung gehabt haben, damals, als Frauen noch kein eigenes Geld hatten und ein eigenes Konto schon gar nicht – diese Zeiten sind aber längst vorbei, weshalb sexistische Werbung durchaus in die Hose gehen kann, um beim Thema zu bleiben. Sie kommen halt schon ziemlich rückständig rüber, nicht wahr, diese Unternehmen und ihre Werber, die’s so gar nicht lassen können mit Anno Dazumal, und die im Mensch „Frau“ wenig mehr sehen als ein Stückchen nette Beilage.

Dabei, geschätzte Herren Werber und Unternehmer, würden wir kaufkräftigen Frauen ein wenig Engagement in unsere Richtung durchaus zu schätzen wissen.  Wie wär’s z. B. mit George Clooney, der sich mit oder ohne Unterhose an eine Nespresso-Maschine schmiegt und derweil lasziv an den bunten Kapseln schlürft *IronieAus*?

Na gut. Ich für mein Teil werde also diesen Pizza-Service ignorieren, und auch sonst alles, was da meint, nackte Frauenhaut zu Markte tragen zu müssen (da fällt mir ein: erst kürzlich fuhr ich hinter einem Laster der Firma Zipperle her, und ich rätsle noch immer darüber, wie es den Leuten von Zipperle gelungen sein könnte, eine auch nur halbwegs plausible Verbindung herzustellen  zwischen einer barbrüstigen Blondine + der Ladeklappe eines Kleinlasters + Zipperle-Limonade). Schade bloß, dass meine Reichweite und meine Schlagkraft nun wirklich begrenzt sind. Aber auch: Eine ist besser als keine und natürlich: „Da cosa nasce cosa“.

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