So tuat man net

Ja, ich reagiere mittlerweile ziemlich gereizt, wenn ich in einem unserer Medien auf ein Foto oder ein Video oder was auch immer der SVP-Kandidatin Marie Måwe stoße. Ich ärgere mich nur noch, und denke mir manchmal, ob’s unsere Landesregierung nicht vielleicht ein wenig übertreibt, mit dieser blonden Schwedinnen-Wahlwerbung, wobei mir einfällt: Die Art des Arno Kompatscher, angesichts von Mikro und/oder Kamera den Kopf immer schief zu legen, wie Lady Di das tat, kommt auch nicht wirklich tough und so gar nicht landeshauptmännisch rüber, was soll ich sagen.

Aber ich wollte ja über die Staats-Bürgerschafts-Affäre der jüngsten SVP-Kandidatin sprechen, die unser kleines Land jetzt seit Wochen in Atem hält. Alles Kalkül, wird mir beschieden, alles geplant, alles PR. Wie auch immer, nun hat sie sie, die schöne Schwedin, die italienische Staatsbürgerschaft, die sie bis jetzt, also seit sieben Jahren, kein bisschen interessiert zu  haben scheint. Mit ihrer Kandidatur auf der Landtagsliste aber bekam das Papier eine gewisse Relevanz, und musste schnell her, sehr schnell. Nun ist es geschafft, gerade rechtzeitig, und Frau Måwe darf kandidieren und Stimmen rekrutieren. Ja, das ganze Land, vor allem das männliche, hat geschwitzt und gezittert mit ihr – man bedenke: Andere Leute warten nachweislich bis zu zwei Jahre und länger auf dieses Papier. Die Frau Måwe sollte das in wenigen Wochen schaffen, was ihr auch gelungen ist, also wirklich, so tüchtig, wenn das kein Empfehlungsschreiben für den Landtag ist.

Ja, diese Geschichte ist sehr bitter, und wirft ein hässliches Licht auf unsere Regierungspartei und das ganze Land, aber das Bitterste ist: Die Unverfrorenheit,  mit der unsere Regierungspartei diese Sache nicht nur eingefädelt hat, sondern sie auch noch an die GANZ große Glocke hängt. Das ist wohl deren Verständnis von Transparenz, ha ha. Andere, weniger Arrogante (oder vielleicht auch nur weniger Dumme?!), würden still schweigen, nicht wahr, und hoffen, dass die Sache ausgestanden ist, noch bevor jemand den Gestank bemerkt hat, den sie hinter sich her zieht. Denn schließlich – und das weiß unsere Regierungspartei natürlich sehr gut – sind da draußen sehr viele Menschen, die das alles beobachten, und sich fragen: Ach, und was hat die, was ich nicht habe? Aber auch all die anderen, die, die keine neue Staatsbürgerschaft brauchen, die schauen auch zu… und wundern sich, im bestmöglichen Fall. Ja, denn es ist doch geradezu so, als würden sich die von SVP mit Marie Måwe im Schlepptau an allen anderen, jenen, die brav in der Schlange stehen, wie es sich gehört, frech vorbeidrängeln… und ihnen die lange Nase machen, auf dem Rückweg, und mit dem Zettel winken. Nein wirklich, so tuat man net.

Ich persönlich würde mich ja schämen, und ich würde mich schämen, wenn ich Marie Måwe wäre, auch für all die anderen, die sich nicht schämen. Aber nein, die gute Marie stellt sich auch noch stolz vor die Kamera und lässt sich beklatschen für ihren Erfolg und ihre Tüchtigkeit, und vom Bürgermeister die Hände schütteln, als hätte man gerade einen wichtigen Vertrag zur Rettung der Menschheit unterzeichnet… Mir fällt da alleweil der berühmt-berüchtigte Satz der Marie-Antoinette ein (ja, ich weiß, es ist keineswegs gesichert, dass sie ihn auch tatsächlich gesagt hat), als sie sprach, das Volk solle doch Kuchen essen, wenn es kein Brot habe. In Sachen Bürgernähe.

Klar ist jedenfalls jetzt mehr denn je: Bei SVP hält man nichts und sogar noch weniger von seinem Wahl- und überhaupt von seinem Volk. Dort ist man offensichtlich so weit oben, denen kommt gar nicht in den Sinn, dass die Leute da unten ihre „ausgschamten“ Machenschaften nicht goutieren könnten. Aber vielleicht sind sie ja auch nur so frech, dass ihnen das egal ist.

Ich für mein Teil freue mich jedenfalls schon sehr auf den Tag – nach den Wahlen – an dem sich die vielen, vielen Menschen, die schon seit Jahren auf ihre Staatsbürgerschaft warten, vor den Büros des Herrn Kompatscher und der Frau Måwe postieren und fordern werden, dass ihre Anträge in max. vier Wochen positiv abgewickelt sind. Man wird’s ihnen nicht verwehren können.

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