Was für ein Theater!

Was ist denn das für ein Theater, dort bei SVP? Hat sie oder hat sie nicht? Wusste man oder wusste man nicht? Da stellt man eine Kandidatin vor, mit Pomp und Getöse, und weiß noch gar nicht, ob sie überhaupt das Recht hat, auf der Kandidatenliste Platz zu nehmen, weil ihr die italienische Staatsbürgerschaft (noch) fehlt? Und die Staatsbürgerschaft ist, da schau an, unabdingbare Voraussetzung für die Wahlbarkeit?! Also wirklich. Wenn das einer Jüngst- oder auch nur Jung-Partei passiert wäre, dann wäre es glaubhaft – aber einer wie SVP? Die im Übrigen ja fast mehrheitlich von Rechtsanwälten bewohnt wird? Hallo?

Hat man etwa geglaubt, die Erlangung der Staatsbürgerschaft müsse doch bitte gefälligst schneller gehen als für normale Bürger, wenn SVP draufsteht?! Ist das eigentlich üblich, in einer Demokratie, dass für ein paar wenige geht, was für alle oder zumindest: die meisten, keineswegs geht? Gerecht ist das jedenfalls nicht – „normale“ Menschen warten bis zu drei Jahre auf dieses Papier, und manchmal sehnlichst, aus weit schwer wiegenderen und triftigeren Gründen als eine politische Kandidatur, die möglicherweise gar nur eine Scheinkandidatur ist. Und warum, bitteschön, hatte Marie Måwe nicht schon früher daran gedacht, um die Staatsbürgerschaft anzusuchen – wo sie doch schon seit sieben Jahren hier lebt und durchaus, so habe ich verstanden, die Absicht hatte, auch hier zu bleiben? Und wie steht überhaupt Arno Kompatscher da? Hat etwa nicht er sie „rekrutiert“? Was hat er sich dabei gedacht, bei dieser Pflanzerei, denn das ist sie, so oder so, und für die einen oder die andere, der Erneuerer und Hochgejubelte?!

Jedenfalls und wie auch immer die Sache gewesen sein mag: Die SVP steht – einmal mehr – gar nicht gut da, wirklich nicht, und umso weniger, wenn man bedankt, wie sie sich zieren, die Damen und Herren SVP, wenn es um die Staatsbürgerschaft für die anderen geht, die „richtigen“ Ausländer. Ja ja.

Mir persönlich tut diese doch ziemlich unangenehme Geschichte – denn ja, sie wirft via Regierungspartei einmal mehr ein sehr unschönes Licht auf unser Land – für die Protagonistin leid, und ein bisschen tut es mir auch um uns leid, denn Marie Måve hätte uns vermutlich gut getan, auch wenn ich zu bezweifeln wage, dass man sie recht hätte zu Wort kommen lassen, bei SVP. Für diese letztere fremdschäme ich mich, übrigens, und frage mich, was die SVP-Wählerschaft wohl halten mag, von diesem Theater.

Obwohl… da fällt mir ein: Vielleicht hat sie sich’s ja anders überlegt, die Marie Måwe? Vielleicht hat sie es ja nicht goutiert, moderne und selbstbewusste Frau, die sie zu sein scheint, jenes „Gespräch“, in dem Arno Kompatscher ihr erklärte, dass ihr Vorstoß in Sachen mehrsprachige Schule „in der Partei keine Mehrheiten finden“ würde? Vielleicht ist sie’s ja nicht gewohnt, dass sie nicht ihre eigene Meinung haben darf? Und sie noch viel weniger sagen darf? Und vielleicht findet sie’s ja auch nicht sehr motivierend, dass ihre Ideen von vornherein „keine Mehrheiten“ finden, ohne dass man ihr bzw. ihnen die Chance gegeben hätte, präsentiert und diskutiert zu werden?! Moderne Frauen lassen sich nicht (mehr) gern und widerstandslos den Mund verbieten, nicht alle jedenfalls. Schade wär’s aber doch, um Marie aus Lappland.

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