Schwerer Stand?

Er sah ein bisschen verkniffen aus, der designierte Landeshauptmann, gestern, in den Abendnachrichten, und recht dünnlippig, sein Kinn ein bisschen trotzig nach ganz weit oben geschoben, während er und die Südtiroler Nachrichten-Audience Richard Theiner dabei zuhörte, wie der davon sprach, dass zu diesem Zeitpunkt noch überhaupt keine Rede davon sein könne, mit welcher Partei man und frau SVP koalieren wolle. Gar keine Rede, absolut gar nicht. Im Ton und in der Rede überaus entschlossen wirkte der Herr Theiner, was ich ja an und für sich schon recht auffallend finde, mehr noch aber, weil es noch gar nicht lange her ist, als Arno Kompatscher und sogar recht deutlich kundtat, dass er mit den Freiheitlichen sich eine Zusammenarbeit nicht vorstellen könne, dass er aber gegen die Grünen keine Vorbehalte habe. Sie muss sich also schon wie ein härterer Schlag in die Magengrube angefühlt haben, für den Herrn Kompatscher, diese kleine und doch recht vielsagende Rede seines Parteimitmenschen Theiner, der ja, wenn ich nicht irre, nicht irgendein kleines Lichtlein, sondern gar der höchste Kopf in der Partei ist. Ob es übrigens Zufall war, dass just gestern die Südtiroler Tageszeitung Dolomiten berichtete, dass der scheidende Landeshauptmann zwar, selbstverständlich, denn nach einer so langen Politkarriere weiß man manchmal natürlich schon, was sich gehört, auch festmachte, dass über die Zusammensetzung der Landesregierung der Ausschuss zu beraten habe, dass aber eine eventuelle Zusammenarbeit mit den Grünen schon sehr heikel sei.

Es fällt ja übrigens auch auf, so will’s jedenfalls mir scheinen, dass überhaupt dem Arno Kompatscher gern und oft einer von den „anderen“, den alteingesessenen, zur Seite gestellt wird, die wirken immer ein bisschen wie Aufpasser, mit denen sich der Erneuerer sein Bad in der Menge und die öffentliche Aufmerksamkeit jedenfalls teilen muss. Insgesamt lässt mich das Bild nicht los von doch recht engen Fesseln, die der Herr Kompatscher vielleicht Mühe haben könnte, zu sprengen und die ihm seinen Stand im neuen Amt recht schwer machen könnten, trotz – oder wegen? – seiner vielen Stimmen aus dem Volke, nach seinem Eroberungszug durch die Provinz.

Südtirol der Bürger

Enrico Letta hat gestern laut ARTE Journal im Rahmen von „Europa Nova“ (ab Minute 5) eine viel beachtete Rede gehalten, in der er eine sehr schöne Idee schuf: Ein „Europa der Bürger gegen das Europa der Populisten“.

Ja, habe ich mir gedacht, das müsste doch auch bei uns gehen: Ein Südtirol der Bürger, statt dem Südtirol der Populisten. Denn es bedrückt mich, wirklich, dass z. B. die Freiheitlichen auf ein 7. Landtagsmandat hoffen können, und die Grünen um ein drittes bangen müssen.

Tröstlich in dieser Sache: Arno Kompatscher, der wahrscheinliche Südtiroler Landeshauptmann ab morgen, möchte mit den Freiheitlichen lieber nicht zusammen arbeiten, während er „gegen die Grünen keine Vorbehalte“ hat. Das spricht für ihn, und lässt hoffen, für die Gesellschaft, die wir werden können.

Weniger ist mehr: Der Film

Hier ist er nun – I proudly present, was ich persönlich im Netz trotz intensiver Suche nicht finden konnte, aber nun – einem Facebook-Freund (sage noch eineR was gegen fb 😉 ) sei Dank, hier doch einstellen kann: Der Film über „Weniger ist mehr“ (Die Grenzen des Wachstums und das bessere Leben), der mich neulich Abend an den TV-Bildschirm bannte (das gelingt meist nur ARTE).

Schade. Wirklich schade!

Es tut sich was, in Südtirol, in Frauenbelangen. Wurde aber auch Zeit. Die Südtiroler Politik wird weiblich(er) – zumindest im Wahlkampf, ein bisschen. Der Landesbeirat für Chancengleichheit ruft auf zu „Mehr Frauen – Mehr Demokratie“ und lanciert eine starke Kampagne; nur wenige Tage später – richtig, es ist ja Wahlkampf – ruft die SVP-Frauenbewegung die ihren zu einem Abend unter dem Thema „Frauen in Führungspositionen als Mutmacherinnen“ zusammen, im Laufe desselben die SVP-Frauen-Chefin Margesin „rief die anwesenden Frauen dazu auf, sich gegenseitig solidarisch zur Seite zu stehen und Frauen in Führungspositionen zu unterstützen, sei es durch das konsequente Beharren auf der Vertretung der Frauen in allen Positionen, als auch durch das konsequente Wählen von Frauen.“ Gestritten wird dann aber scheinbar und laut Medienberichten darüber, ob „die Frau Plassnik Kinder habe“. (mehr …)