Ich habe neulich, es war ein mäßig warmer Tag ganz zu Beginn des Frühlings und also, um genau zu sein, noch ein bisschen zu früh, eine kleine Rundwanderung gemacht, eine, die ich sehr liebe. Eigentlich ist sie ein jährlich wiederkehrendes Ritual, bei dem ich schau, wie weit sich der Frühling schon hereingewagt hat ins Land, und mich in Vorfreude übe.

Ich muss wohl ein paar Jahre ausgesetzt haben, mit diesem meinem Frühlings-Ritual, was mir klar wurde, als ich in St. Oswald eintrudelte, und dort, am hinteren Ortsrand, ein völlig neues Gebäude erblickte, ein sehr hübsches Gebäude, von dem sich bald herausstellte, dass es sich um eine Feuerwehrhalle handelt. Eine sehr, eine wirklich! schöne Feuerwehrhalle, und ja, die Feuerwehr ist ja auch wichtig, sehr wichtig.

Ja, zweifelsohne. Aber, so überlegte ich vor mich hin, während ich an diesem schön gestalteten und recht kostspielig gebauten Funktionsgebäude vorbei lief: Eine Gesellschaft, die es sich leisten kann, für eine Fraktion (einen Ortsteil also, gewissermaßen), die von vielleicht fünfzig oder noch weniger Menschen bewohnt wird, eine eigene Feuerwehr zu unterhalten, und für diese eine eigene Feuerwehrhalle,

und zwar eine so schöne, ja fast schon luxuriöse Feuerwehrhalle, kann also diese Gesellschaft und andere wie sie sagen, guten Gewissens, und ohne vor Scham zu erröten,

sie könne es sich nicht leisten, eine oder auch vier oder elf Handvoll Menschen aus anderen, glückloseren, Ländern aufzunehmen, und sich um sie zu kümmern, wie es angemessen wäre, für eine Gesellschaft, die sich solche Feuerwehrhallen leisten kann, und leisten will?

Ich bin, nach reiflicher Überlegung, zum Schluss gelangt: Nein, sie kann nicht, oder jedenfalls kann sie nicht, ohne auch den letzten Funken Glaubwürdigkeit aufs Spiel zu setzen.

PS: Natürlich kann dieser Gedanke gerne weiter gesponnen werden, in Richtung (auch) jener Einheimischen, die immer laut „Halt“ rufen, und ihre Finger in die Luft recken dabei, und fragen, warum für „die Einheimischen“ nicht getan werde, was für „die Flüchtlinge“ getan wird?! Stellen wir einmal zur Seite, dass diese Vergleiche ebenso kräftig hinken wie sie mächtig stinken, so kann, darf und muss aber doch gefragt werden:

Warum haben „wir“ solche luxuriösen Feuerwehrhallen – aber (zum Beispiel) so gut wie keinen sozialen Wohnungsbau?

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