So viel Aufwand, so wenig Nutzen

Ich habe soeben einen Beitrag gesehen, über perfekte Logistik, am Beispiel von „Frische Rosen aus Kenia“ für die Supermärkte in Europa, an jedem Tag im ganzen Jahr. Ich persönlich habe ja noch nie Blumen im Supermarkt gekauft – ich bin da eher altmodisch, und kaufe, so gut es geht, im Fachhandel. Wie auch immer: Ich fand es durchaus und sogar sehr faszinierend, zu sehen, wie perfekt die einzelnen Abläufe aufeinander abgestimmt waren, wie lückenlos die Kette funktionierte, wie optimal und fehlerlos die einzelnen Schritte ineinander griffen. So etwas hat durchaus eine gewisse Ästhetik, in meinen Augen.

Am Ende des Beitrags aber, als die flüchtige Faszination über die Schönheit perfekter Abläufe und also durchaus Harmonie verflogen war, blieb: Erschütterte Ernüchterung angesichts unserer grenzenlosen und bedenkenlosen Gedankenlosigkeit.

Was für ein Aufwand, für Null Nutzen.

Manderwirtschoft

Kürzlich war ich mit einer Lehrerin einer Südtiroler Oberschule zusammen getroffen, wie’s halt der Zufall so will, und im Plaudern über das Eine und das Andere ließ ich einen Kommentar über unser doch immer noch und trotz allem ziemlich reiches Land fallen. Ich meine, unser Reichtum springt doch jeder ins Auge, die ihn sehen will, nicht wahr – ich persönlich staune zum Beispiel immer gern und immer wieder über unsere Superstraßen, Tunnels, Hang-Befestigungen und ganz besonders über unsere Museen, Schulgebäude und überhaupt unsere öffentlichen Gebäude.

In dem Zusammenhang, übrigens, ein kleiner Exkurs: Wir waren kürzlich, meine Tochter und ich, zu Besuch in der Benediktiner-Abtei in Müstair (Weltkulturerbe, in der – reichen – Schweiz, kann ich sehr empfehlen) und gleich danach, weil’s naheliegt im mehrfachen Sinne, in der (Südtiroler) Benediktiner-Abtei Marienstift, zweifelsohne ein überaus wichtiges kunst- und kulturhistorisches Denkmal weit über unsere Provinzgrenzen hinaus, aber keineswegs UNESCO-Weltkulturerbe. Nichtsdestotrotz: Das Schweizer Weltkulturerbe (!) wirkt im Vergleich zu unserem „einfachen“ Stift Marienberg doch recht schlicht, sei es in seiner Ausstattung, sei es in seiner Gestaltung. Das hat mich nachdenklich gemacht.

Aber zurück zum Ursprung. Jene Lehrerin war nicht recht einverstanden, mit meiner Meinung über unser reiches Land, und erzählte, wie an den Schulen, am Lehrpersonal, an Lehrausflügen, am Material und überhaupt: an der Bildung, Ausbildung und Zukunft unserer Kinder und somit an unser aller Zukunft nach Kräften und ziemlich rücksichtslos gespart und gekürzt werde, und dass diese Gelder „nur noch an die Ausländer“ gingen. Sie sagte das so, wörtlich. Das nun scheint mir doch eher sehr frag- bis unglaubwürdig, aber wir hatten leider nicht mehr die Gelegenheit, der Sache nachzugehen.

Seither überlege ich, in Sachen „Wirtschaft“ und „Wirtschaftskompetenz“, wie denn das zugeht und was daran so „wirtschaftlich“ sein soll, wenn auf der einen Seite an den Schulen und der (Aus-)Bildung – also dem Fundament jeder Gesellschaft -, gespart und gekürzt wird, gleichzeitig die Bevölkerung (und nicht einmal nur die „ungebildete“) im Glauben gelassen wird, die auf diese Weise frei gewordenen Mittel dienten nur dazu, „die Einwanderer“ zu verwöhnen… aber kein Mensch fragt, ja wie es denn sein kann, dass scheinbar und trotz allem immer noch genügend Millionen und sogar Abermillionen da sind, die von unseren wirtschaftskompetenten Regierungsmännern frohen Herzens und leichten Gemüts in maroden Fluglinien, überflüssigen Flughäfen, untüchtigen Fahrsicherheitszentren, unzeitgemäßen Seilbahnen usw. usf.: Versenkt werden.

Ja, und wenn ich dann noch ein bisschen weiter überlege, dann lande ich unweigerlich bei der Frage, welcher Gesellschaftsschicht um nicht zu sagen welchen Geschlechts Lieblingsspielzeug Autos, Flugzeuge, Rennbahnen, Motoren u. dgl. mehr schon immer waren und scheinbar immer noch sind, und zwar gänzlich ungeachtet der Tatsache, dass sich unsere Welt derweil und schon längst ganz, aber wirklich ganz anders entwickelt hat

Weltfremd oder Trend?

Da hat sich gestern so ein Wachstumsapostel ziemlich bösartig aufgeregt im Tagblatt der Südtiroler, über die Beiträge und die Weltanschauung von Dr. Peter Ortner und andere, ähnlich „weltfremde“ – sagt der Wachstumsapostel – Zeitgenossen

Das ärgert mich noch heute, denn ich mag die Beiträge von Dr. Peter Ortner sehr. Die Denke dieses Mannes ist sehr „slow“, ob er das  nun weiß oder nicht. Vermutlich ist er einfach nur Heimatschützer und Traditionalist. Ich bin weder das eine noch das andere, aber unser Land, seine Natur, Kultur und auch die Geschichte mag ich trotzdem sehr. Und ich kann auch gar nicht nachvollziehen, was da „weltfremd“ dran sein soll, wenn einer der Meinung ist, dass irgendwo auch Schluss sein muss mit dem immer-mehr-und-immer-weiter-mit-noch-mehr. Mir jedenfalls ist „slow“ sehr viel sympathischer als „fast“ und ich wage die Behauptung, dass in Wahrheit Wachstumsprediger wie der bösartige Leserbriefschreiber weltfremd sind und in ihrer Entwicklung stehen geblieben.